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Interview: Dr. Martin Inderbitzin, Neurowissenschaftler, Autor, Keynote-Speaker, Krebsüberlebender

Andrea Labonte Hoteltesterin Autor: Andrea Labonte | 27.01.26
Dr. Martin Inderbitzin, Neurowissenschaftler, Autor, Keynote-Speaker, Krebsüberlebender. ©Dr. Martin Inderbitzin.
Dr. Martin Inderbitzin, Neurowissenschaftler, Autor, Keynote-Speaker, Krebsüberlebender. ©Dr. Martin Inderbitzin.

Folgender Satz, der Siddhartha Gautama (Buddha) zugeschrieben wird, erhält eine besondere Tiefe, wenn man ihn im Licht von Dr. Martin Inderbitzins Biographie betrachtet: "Der größte Fehler von uns Menschen ist zu glauben, wir hätten Zeit."

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Kaum jemand verkörpert die Wahrheit dieses Gedankens so eindrücklich wie Dr. Martin Inderbitzin, Neurowissenschaftler, Autor, Keynote-Speaker, Krebsüberlebender und Gründer der international ausgezeichneten Non-Profit-Initiative „My Survival Story“.

Dr. Inderbitzin studierte Neurobiologie an der ETH Zürich und promovierte an der Universitat Pompeu Fabra Barcelona zum Thema Stress und Emotionsverarbeitung. Doch das wertvollste Wissen über das Leben gewann er nicht in der Theorie, sondern mit 32 Jahren, als er die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs erhielt. Seit nunmehr 13 Jahren lebt er mit dem ständigen Bewusstsein der eigenen Endlichkeit. Und genau mit dieser existenziellen Erfahrung ist er zu einem Leuchtturm für viele Menschen geworden.

In den letzten zehn Jahren hat er mit über 100 Keynotes, Workshops, Retreats und Self-Leadership-Camps weltweit Tausende begleitet, ermutigt und inspiriert. Er übersetzt neurowissenschaftliche Erkenntnisse in einfache, alltagstaugliche Impulse, in Methoden für mehr Resilienz und mentale Gesundheit. Sein TEDxTalk wurde über eine halbe Million Mal angesehen, sein Buch „Mut zum Leben“ ist für viele ein kraftvoller Begleiter.

Im Zentrum seines Wirkens steht eine existenzielle Frage: „Wie möchte ich leben?“ Dabei hat Dr. Martin Inderbitzin gelernt, dass am Anfang eines erfüllten Lebens Selbstfreundschaft steht, der Mut, sich selbst ehrlich zu begegnen, sich zu unterstützen und der eigenen inneren Stimme Gehör zu schenken. Diese Stimme spricht selten im Lärm, sie wird lauter in der Stille. Für ihn z.B. auf seinem Segelboot, auf einsamen Wanderungen, in Momenten jenseits von Ablenkung und Dopamin-Kicks.

Er weiß, wie leicht wir in Träumen verharren und bei deren Umsetzung ins Straucheln geraten. Wie sehr uns unser „Monkey Mind“ vom Wesentlichen ablenken kann. Wie schwer es ist, mutige Entscheidungen zu treffen und wie befreiend es wird, wenn wir es doch tun. Mit Impathie, Neugier, Vertrauen und vielen kleinen Schritten, ganz nach seinem Credo: „Go easy, but go.“

Für mich kam Dr. Martin Inderbitzins Stimme in einer Lebensphase, in der ich in meiner nächsten Familie auch mit einer Bauchspeicheldrüsenkrebs-Diagnose konfrontiert wurde, einer Zeit, in der ich den Boden unter meinen Füßen verlor. Seine Perspektive schenkt mir bis heute Kraft und Zuversicht. Sie hat mich daran erinnert, dass das Leben ein Geschenk ist, das wir aktiv gestalten dürfen. Die „Mindful Moments“ mit Dr. Martin Inderbitzin bedeuten mir daher sehr viel. Sind sie doch ein Weckruf für mehr Mut, Klarheit und Sinn. Für ein Leben, das im Einklang mit den eigenen Werten, Stärken und Sehnsüchten steht. Gerade in Phasen, in denen nichts sicher scheint, ist Dr. Martin Inderbitzin für mich zu einer bedeutenden Orientierungshilfe geworden. Eine, die mir zeigt, wie ein Leben gelingen kann, und zwar trotz, wegen und jenseits aller Herausforderungen.


Buddha soll gesagt haben: „Der größte Fehler der Menschen ist, zu glauben, sie hätten Zeit.“ Seit Ihrer Diagnose vor 13 Jahren leben Sie mit Therapien, Kontroll-MRTs und einer immer mitschwingenden existenziellen Ungewissheit. Wie hat diese frühe Begegnung mit der eigenen Endlichkeit Ihren Blick auf Zeit verändert? Welche Prioritäten haben Sie nach der Diagnose neu gesetzt?

Die Diagnose hat meinen Blick auf Zeit radikal verändert. Vorher dachte ich, dass ich „später“ anfangen könnte - später leben, später träumen, später mutig sein. Plötzlich war klar: Später ist ein Konzept, das es vielleicht nicht gibt. Zeit wurde für mich nicht mehr etwas, das man verliert, sondern etwas, das man gestaltet. Ich habe gelernt, dass Prioritäten nicht aus dem Kopf kommen, sondern aus dem Herzen. Ich fragte mich: Was ist mir wirklich wichtig? So entstand eine klare Ausrichtung: Beziehungen pflegen, Projekte verfolgen, die Sinn haben, und auf meine mentale Gesundheit achten. Und ich habe begonnen, jeden Schritt, selbst den kleinsten, ernst zu nehmen, weil es nicht um das Ziel oder die Ziellinie geht, sondern darum, wie ich mich auf den Weg mache, also eben genau: Go easy, but go.

In Ihrem TEDxTalk erzählen Sie von jenem Heureka-Moment in der Onkologie, als ein Mitpatient sagte, sein größter Wunsch sei: „in Frieden zu sterben“. Warum war gerade dieser Satz so ein Wendepunkt für Sie? Und teilen Sie die Beobachtungen von Bonnie Ware aus ihrem Buch „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“, dass die Angst vor dem Tod abnimmt, je mutiger und neugieriger wir unser Leben gestalten?

Dr. Martin Inderbitzin, Neurowissenschaftler, Autor, Keynote-Speaker, Krebsüberlebender. ©Dr. Martin Inderbitzin.
Dr. Martin Inderbitzin gründete die international ausgezeichneten Non-Profit-Initiative „My Survival Story“ und inspiriert damit weltweit Menschen, die an Krebs leiden. ©Dr. Martin Inderbitzin.

Dieser Moment hat mich tief erschüttert, weil er mir gezeigt hat, dass Frieden im Leben nicht erst am Ende entsteht, sondern jeden Tag gestaltet wird. Der Satz „in Frieden zu sterben“ ließ mich erkennen, wie wenig Frieden viele von uns im Leben finden, weil wir uns ständig von Erwartungen, Ängsten und Selbstzweifeln leiten lassen. Für mich war das der Wendepunkt, denn der Satz hat mich irgendwie auch aufgewühlt: Ich wollte nicht warten, bis ich dem Tod ins Auge sehe, um in Frieden zu kommen, ich wollte lernen, im Jetzt zu leben.

Die Beobachtungen von Bonnie Ware kann ich sehr gut nachvollziehen. Je mutiger und neugieriger wir unser Leben gestalten, desto weniger werden wir von Reue eingeholt. Angst entsteht oft durch das, was wir nicht wagen, nicht ausprobieren, nicht sagen. Mut hingegen schafft Verbindung, Sinn und Dankbarkeit und das reduziert die Angst vor dem Ende. Ich glaube, ein erfülltes Leben ist weniger die Abwesenheit von Angst, sondern das Vertrauen, trotz Angst Schritte zu gehen und sein Leben zu gestalten. Denn wenn mir das gelingt, dann habe ich am Schluss des Lebens mehr Seelenfrieden, weil ich eben das gemacht habe, was mir wichtig war.

Seneca schrieb: „Wer nicht weiß, in welchen Hafen er segeln will, für den ist kein Wind der richtige.“ Sie sagen, Sie seien lange mehr gedriftet als gesegelt, bis sich durch Ausprobieren, Umwege und ehrliches Hinspüren ein Kurs gezeigt hat. Hat Ihre Krankheit Ihnen bei der Kursfindung geholfen?

Und welche Bedeutung hatten für Sie folgende Fragen:

  • Lebe ich das Leben, das ich wirklich leben möchte?
  • Folge ich meinen Sehnsüchten und Träumen oder eher den Erwartungen anderer?
  • Was ist mein einzigartiges Geschenk an die Welt?

Die Krankheit hat mich nicht automatisch auf Kurs gebracht. Sie hat mich zuerst und immer wieder geschüttelt. Aber sie hat mich auch gezwungen, ehrlicher hinzuschauen. Plötzlich war klar: Wenn ich nur noch wenig Zeit habe, will ich sie nicht damit verbringen, ein fremdes Leben zu leben. Dadurch wurden die drei Fragen für mich zu einem inneren Kompass: "Lebe ich das Leben, das ich wirklich leben möchte?" hat mich dazu gebracht, Prioritäten zu verschieben, weg vom Außen, hin zum Inneren.

Die Frage nach Erwartungen war besonders herausfordernd, denn wir sind sehr darin trainiert, anderen gefallen zu wollen. Das ist ja das ‚schöne‘ an Krebs, wenn man das überhaupt so formulieren darf: Krebs ist wie eine „Carte Blanche“. Plötzlich hast du die Möglichkeit deinen verrückten Visionen zu folgen oder etwas Neues auszuprobieren und alle finden es toll. Oder zumindest erntest du weniger Kritik, als wenn du „gesund“ bist. Plötzlich sagten Menschen in meinem Umfeld: Du machst es genau richtig, du wagst etwas! Das hat auch etwas Befreiendes, wenn man sich plötzlich getraut, auf sein Herz zu hören.

Ich glaube das „Geschenk an die Welt“ liegt oft näher, als wir denken: nicht in großen Plänen oder perfekten Leistungen, sondern in dem, was wir authentisch leben und teilen können.

Hermann Hesse schrieb: „Unsere Rastlosigkeit ist die Flucht vor dem, was in uns ist.“ Sie sprechen von einer „Zuvielisation“, in der wir uns mit Konsum, Reizen und Dopamin-Kicks betäuben. Warum spielt das Alleinsein, insbesondere in der Natur, in Ihrem Leben eine so zentrale Rolle? Wie kann es uns gelingen, Stille wieder auszuhalten? Und warum können solche Solitär-Auszeiten ein Fundament für Selbstfreundschaft, Klarheit und neue Lebensvisionen sein?

Das wertvollste Wissen über das Leben gewann der promovierte Neurobiologe nicht in der Theorie, sondern mit 32 Jahren, als er die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs erhielt. © Dr. Martin Inderbitzin.
Das wertvollste Wissen über das Leben gewann der promovierte Neurobiologe nicht in der Theorie, sondern mit 32 Jahren, als er die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs erhielt. © Dr. Martin Inderbitzin.

Alleinsein ist für mich kein Rückzug, sondern eine Rückkehr zu mir selbst. In der heutigen „Zuvielisation“ sind wir ständig abgelenkt, getrieben und betäubt – wir hören kaum noch auf unsere eigene Stimme. Die Natur bietet den idealen Rahmen, um Stille wirklich zu erfahren: keine E-Mails, kein Lärm, nur Rhythmus, Licht, Wind und Zeit. Anfangs ist es ungewohnt und manchmal unangenehm, einfach still zu sein, doch genau darin liegt der Wert für mich. Kein Handy, um die schöne Natur zu fotografieren, kein Podcast um mich inspirieren zu lassen.

Wenn wir die Stille aushalten, lernen wir uns selbst besser kennen – unsere Wünsche, Ängste, Sehnsüchte. Solche Solitär-Auszeiten sind wie ein Spiegel: Sie zeigen, wo wir ehrlich hinsehen müssen, und helfen, Selbstfreundschaft zu entwickeln. Aus dieser Klarheit entsteht oft eine neue Lebensvision, weil wir endlich wissen, was wir wirklich wollen, jenseits von Erwartungen, Ablenkungen und äußeren Einflüssen. Dafür reicht aber nicht ein 30-minütiger Spaziergang im Stadtpark. Ein paar Tage Stille sind da schon empfehlenswerter, um ein bisschen zum Kern vorzudringen. Man kann aber auch mal mit einem handyfreien Sonntag beginnen. Oft sind die ersten ein bis zwei Tage die schwierigsten, danach zeigt sich erst die befreiende Wirkung.

Seneca schrieb: „Habe Vertrauen zum Leben – und es trägt dich lichtwärts.“ Sie unterscheiden klar zwischen Hoffnung, die immer an Bedingungen geknüpft bleibt, und Vertrauen, das impliziert: „Ich werde meinen Weg finden, egal wie es ausgeht.“ Wie ist Ihnen dieser innere Wandel gelungen? Und wie lässt sich Vertrauen im Alltag kultivieren, gerade dann, wenn das Leben in seinen Grundfesten erschüttert wird?

Ah, dieser Wandel ist mir nicht dauerhaft gelungen, er gelingt und misslingt mir immer wieder. Das ist ganz wichtig. Auch ich muss mir das Vertrauen immer wieder vornehmen, vor allem wenn es schwierig wird. Mir bewusst sagen: Ich möchte vertrauen haben! Wenn ich das oft genug wiederhole, dann glaube ich es plötzlich.

Vertrauen ist für mich wie eine Pflanze, der ich immer wieder Wasser gebe.

Wir wachsen in einer Welt auf, die uns auf Selbstbeherrschung und Perfektion trimmt, die uns in gewisser Weise domestiziert. Viele werden selbst zu ihren strengsten Kritikern und Selbstzweifel scheinen omnipräsent. Selbstfreundschaft hingegen: Fehlanzeige.

Nach der Krebsdiagnose meines Vaters bin ich auf folgenden Satz von Louise Hay gestoßen:

„Ich selbst bewirke Wunder in meinem Leben.“

Teilen Sie die Ansicht, dass Vertrauen in das Leben immer auch Zutrauen in die eigene innere Wunderkraft voraussetzt? Und wie lernen wir gerade in Krisenzeiten, uns impathisch zu begegnen, uns selbst zu loben und unser eigener bester Freund zu werden?

Ja, ich glaube fest daran, dass Vertrauen ins Leben immer mit dem Zutrauen in die eigene innere Kraft verbunden ist. Wir alle haben Ressourcen und Fähigkeiten in uns, die oft verborgen bleiben, bis wir sie wirklich brauchen. Gerade in Krisenzeiten ist Selbstfreundschaft entscheidend, weil äußere Umstände uns nicht immer Sicherheit geben können. Es beginnt damit, sich bewusst zu beobachten, ohne zu urteilen.

Ich verwende dafür oft das Bild des inneren Bergführers oder der inneren Bergführerin. Kann ich also erkennen, wie es mir geht und dann auch dementsprechend handeln? Unsere Aufgabe liegt nicht darin, dass wir uns mit Pickel und Steigeisen auf den Berg prügeln, sondern dass wir uns bei dieser Reise unterstützen und uns selbst wohlwollend und auch mitfühlend begegnen.

Als Neurowissenschaftler räumen Sie mit folgenden weit verbreiteten Mythen über unser Gehirn auf:

  • dass es fest verdrahtet sei, dass also unsere Persönlichkeit, unsere Fähigkeiten und Denkweisen zu einem gewissen Grad unveränderlich seien, obwohl unser Gehirn formbar ist und dank dieser Neuroplastizität Veränderungen ein Leben lang möglich sind.
  • dass Emotionen irrational seien, obwohl sie uns präzise Daten liefern und unbedingt aufmerksam wahrgenommen werden sollten.
  • dass Motivation der Anfangspunkt sei, obwohl sie in Wahrheit der Handlung folgt.

Warum halten sich diese Mythen so hartnäckig? Und was würde sich im Leben vieler Menschen verändern, wenn sie verstünden, wie sehr Veränderbarkeit, emotionales Wissen und kleine Schritte wirken?

Diese Mythen halten sich hartnäckig, weil sie einfacher und bequemer zu glauben sind – sie geben uns das Gefühl, dass wir eingeschränkt und vorhersehbar sind. Viele Menschen suchen nach festen Regeln und klaren Grenzen, statt sich auf Unsicherheit und Wandel einzulassen. Wenn wir jedoch verstehen, dass unser Gehirn plastisch ist, lernen wir, dass Entwicklung und Veränderung möglich sind, egal in welchem Alter. Ja, es dauert oft ein bisschen länger, als wir uns das erhoffen. Das Gehirn braucht viele Wiederholungen, um etwas neues zu lernen. Das ist ein weiterer Grund, warum sich dieser Mythos von fixen Persönlichkeiten oder Fähigkeiten hält.

Emotionen als wertvolle Informationsquelle zu sehen, statt sie zu unterdrücken, würde uns helfen, klügere Entscheidungen zu treffen und authentischer zu handeln. Emotionen sind nicht gut oder schlecht, sondern angenehm und unangenehm. Und klar mögen wir die angenehmen Emotionen mehr, die machen mehr Spaß. Aber oft sind die unangenehmen Emotionen die besseren Lehrer und können uns viel zeigen und lehren, wenn wir offen für sie bleiben.

Dass Motivation der Handlung folgt, zeigt: Wir müssen nicht warten, bis wir „motiviert“ sind, um anzufangen – der erste Schritt erzeugt Motivation. Der Trick besteht darin, in die Handlung zu gehen, obwohl wir uns nicht danach fühlen. Sobald wir uns bewegen, wird es leichter. Darum finde ich den Satz: "Go easy, but go" so hilfreich. Denn er nimmt Druck raus, bringt aber trotzdem eine Vorwärtsbewegung.

Die Schriftstellerin und Philosophin Ricarda Huch schrieb einst:

„Kein Fürchten soll mich lähmen.“

Sie erklären, dass die Amygdala, unser evolutionäres Alarmzentrum im Gehirn, bei Unsicherheit sofort anschlägt und wir dann Gefahren überschätzen und Möglichkeiten unterschätzen. Dabei empfehlen Sie bei Angst stets zu differenzieren: Ist die Angst ein realer Schutzmechanismus, der uns vor einer lebensbedrohlichen Gefahr warnt oder zeigt sie uns vielmehr unser eigenes Entwicklungs- und Wachstumspotenzial?

Denn für Sie gilt: „The magic that you are looking for is in the work that you are avoiding.“

Warum liegen Mut, Wachstum und Sinn so oft genau dort, wo wir uns am meisten scheuen hinzugehen, außerhalb unserer Komfortzone? Und wie lässt sich Mut trainieren, sodass wir uns unbekanntem Terrain neugierig nähern können statt es zu meiden?

Das erste Training für den Triathlon absolvierte Dr. Martin Inderbitzin während seiner Chemotherapie im Krankenhaus. © Dr. Martin Inderbitzin.
Dr. Martin Inderbitzin wächst trotz seiner Bauchspeicheldrüsenkrebs-Erkrankung immer wieder über sich selbst hinaus. © Dr. Martin Inderbitzin.

Mut, Wachstum und Sinn liegen oft genau dort, wo wir uns fürchten, weil unser Gehirn evolutionär darauf programmiert ist, Risiken zu überbewerten. Die Amygdala schützt uns zwar vor realen Gefahren, doch sie kann uns auch blockieren, wenn die Angst nur vor dem Unbekannten warnt. Oft zeigt uns diese Angst, dass dort unser größtes Entwicklungspotenzial liegt. Wer lernt, zwischen echter Bedrohung und innerem Wachstumsimpuls zu unterscheiden, entdeckt neue Möglichkeiten. Dabei hilft mir folgende Frage immer wieder: "Ist es wirklich gefährlich oder ist es nur Angst?" Wenn es wirklich gefährlich ist, dann mache ich es natürlich nicht! Aber wenn es nur Angst ist, dann ist es wohl eine interessante Idee da mal hinzuschauen und etwas zu wagen.

Mut lässt sich trainieren, indem wir kleine Schritte ins Unbekannte wagen, ohne uns zu überfordern. Ich nenne das nicht Mutproben, sondern Vertrauensproben. Dabei geht es darum etwas zu wagen, dass uns ein bisschen ein mulmiges Gefühl gibt, aber das wir uns immer noch getrauen. Wenn wir es dann gemacht haben, dann merken wir schnell, dass es eigenlich gar nicht so wild war. Wir schaffen Vertrauen in uns und unsere Fähigkeiten. Wenn wir viele solche Vertrauensproben aneinanderreihen, dann werden wir mit der Zeit immer mutiger und auch selbstbewusster.

Jede Erfahrung, bei der wir unsere Angst differenziert angehen, stärkt neuronale Bahnen, die Handlung statt Lähmung ermöglichen. Wichtig ist, Neugier und Selbstfreundschaft zu kombinieren: wir dürfen Fehler machen und uns selbst begleiten. So wird die Komfortzone nicht plötzlich irrelevant, sondern ein Ort, von dem aus wir bewusst und mutig wachsen können.

Sie sagen, unser „Monkey Mind“ liebt Drama, sammelt endlos Wissen und hält uns vom Handeln ab. Und Sie schildern Ihr erstes Triathlon-Training während der Chemotherapie: fünf Minuten auf dem Hometrainer mit Infusion am Arm, die alles verändert haben. Warum ist die Lücke zwischen Wissen und Tun so groß? Und weshalb entfalten gerade kleine erste Schritte so viel Kraft gegen Prokrastination, Überforderung und Perfektionismus?

Das erste Training für den Triathlon absolvierte Dr. Martin Inderbitzin während seiner Chemotherapie im Krankenhaus. © Dr. Martin Inderbitzin.
Das erste Training für den Triathlon absolvierte Dr. Martin Inderbitzin während seiner Chemotherapie im Krankenhaus.
© Dr. Martin Inderbitzin.

Die Lücke zwischen Wissen und Tun entsteht, weil unser „Monkey Mind“ ständig analysiert, bewertet und rechtfertigt – wir wissen viel, handeln aber selten. Wissen allein verändert nichts, wenn wir es nicht in die Praxis bringen. Mein erstes Triathlon-Training während der Chemotherapie war nur fünf Minuten lang, und doch war es ein Wendepunkt: Es zeigte mir, dass Handlung möglich ist, selbst wenn mein Monkey Mind reinreden und mich vom Tun abhalten will.

Kleine erste Schritte erzeugen unmittelbare Rückmeldung: Wir spüren Kontrolle, Fortschritt und das führt zu Motivation. Kleine Schritte wirken wie ein Hebel gegen Prokrastination, Überforderung und Perfektionismus, weil sie den Fokus vom perfekten Plan auf das hier und jetzt verlagert.

Wie blicken Sie als Neurowissenschaftler und Krebspatient auf den aktuellen Longevity-Boom? Inwiefern ist die Sehnsucht nach Langlebigkeit auch ein Versuch, den Kontrollverlust über die eigene Endlichkeit zu zähmen?

Und wie lässt sich ein kluges Gleichgewicht finden zwischen sinnvoller Gesundheitsvorsorge und einem Optimierungsdruck, der uns am Ende durch Schritte zählen, Schlaf messen, Pillen schlucken, kalt baden und ständigem bewusstem atmen genau das raubt, was wir eigentlich suchen: Lebendigkeit, Leichtigkeit und inneren Halt? Plädieren Sie stattdessen vielleicht vielmehr für Abenteuer? Lässt sich Ihre These „Der Schlüssel zu einem erfüllten Leben liegt nicht im Optimieren, sondern im Ausprobieren“ auch auf den Longevity-Kontext übertragen?

Der aktuelle Longevity-Boom zeigt, wie sehr wir versuchen, Kontrolle über unsere Endlichkeit zu gewinnen. Doch die Sehnsucht nach ewiger Gesundheit kann schnell in einen Optimierungszwang umschlagen, der uns Lebensfreude und Leichtigkeit raubt. Für mich ist wichtig, zwischen sinnvoller Gesundheitsvorsorge und übertriebenem Perfektionismus zu unterscheiden: Schritte zählen, Pillen schlucken oder Kältebäder nützen wenig, wenn wir dabei vergessen zu leben.

Ja, auf jeden Fall! Abenteuer, sich ausprobieren und das bewusste Erleben von Momenten sind meiner Meinung nach zentral für ein erfülltes Leben, auch im Longevity-Kontext. Meine These „Der Schlüssel zu einem erfüllten Leben liegt nicht im Optimieren, sondern im Ausprobieren“ lässt sich direkt übertragen: Es geht darum, neugierig, mutig und aktiv zu sein, statt ständig zu messen und zu kontrollieren. Wer Experimente wagt, Erfahrungen sammelt und den eigenen Körper spürt, erlebt echte Lebendigkeit – das ist das Fundament von Gesundheit, Resilienz und innerem Halt.

Wir alle wollen alt werden, aber möglichst ohne die sichtbaren Spuren des Lebens. Warum fällt es uns so schwer, Falten, Narben und seelische Furchen als Ausdruck eines gelebten Lebens zu würdigen? Und was würde sich verändern, wenn wir Schönheit weniger mit Makellosigkeit verbinden und mehr mit Gelassenheit und jener „vertrauenden Heiterkeit“, die Hermann Hesse als „Bejahen aller Wirklichkeit, Wachsein am Rand aller Tiefen und Abgründe und dem Geheimnis des Schönen.“ beschreibt?

Wir haben verlernt, Leben in seiner ganzen Tiefe zu akzeptieren, und verbinden Schönheit oft mit Makellosigkeit. Falten, Narben und seelische Spuren werden deshalb als Mängel wahrgenommen, statt als Zeugnisse eines gelebten Lebens. Dieses Streben nach Perfektion wird kulturell verstärkt, durch Werbung, soziale Medien und gesellschaftliche Ideale.

Wenn wir lernen, Gelassenheit und eine „vertrauende Heiterkeit“ zu schätzen, verändert sich unser Blick auf uns selbst und andere. Wir beginnen, Erfahrung, Tiefe und Authentizität als schön zu empfinden, nicht nur äußere Perfektion.

„Mein Haus, mein Boot, mein Pferd.“ Lange galten Status und Besitz als Maßstab für Erfolg. Erleben wir gerade einen Paradigmenwechsel, in dem Bewusstsein, Zeit, Naturerfahrung, Gesundheit, Beziehungen und Selbstbestimmung wichtiger werden? Wie hat sich Ihre Definition von Erfolg durch Ihre eigene Lebensgeschichte verändert?

Als ich mit meiner Krebsdiagnose konfrontiert wurde, wurde mir eines klar: „Am Schluss kannst du eh nichts mitnehmen!“ Mein Fokus hat sich deshalb frappant auf Erlebnisse mit meinen liebsten Menschen ausgerichtet. Denn am Ende des Lebens sage ich nicht: „Ah, diese tolle Uhr hat mein Leben verschönert.“ Nein, ich sage vielmehr: „Die Zeit, die sie mir angezeigt hat, und die ich mit meinen Liebsten verbringen durfte, hat mein Leben erfüllt.“ Das heißt nicht, dass ich eine schöne Uhr nicht großartig finde. Ich weiß nur, dass nicht die Uhr selbst, sondern die Zeit, die sie mir schenkt, das wirklich Wertvolle daran ist.

Welche Bücher und welche Musik haben Sie in Ihrem Leben am stärksten begleitet oder geprägt?

Bücher und Musik haben mich in verschiedenen Lebensphasen jeweils auf eigene Weise geprägt und getragen. Besonders inspirierend waren Bücher, die existenzielle Fragen berühren: Viktor Frankls "…Trotzdem Ja zum Leben sagen" hat mir gezeigt, wie Sinn, Hoffnung und innere Freiheit unser Leben tief verändern können. Paulo Coelhos "Der Alchemist" hat mich gelehrt, dem eigenen Weg zu folgen, auch wenn er ungewöhnlich ist.

Aus der wissenschaftlichen Literatur haben mich die Arbeiten von Antonio Damasio besonders geprägt, weil sie verdeutlichen, wie eng denken, fühlen und Körper zusammenhängen. Musik begleitet mich oft in Momenten der Reflexion und Ruhe: Die Klavierstücke von Ludovico Einaudi haben mir in schweren Zeiten Trost und Klarheit gegeben. Oder die sphärischen Klänge von Malte Marten kann ich sehr empfehlen, wenn es mal stürmisch ist.

Wenn Sie Ihre Erfahrungen als Neurowissenschaftler, Patient, Autor und Mensch in eine einzige Lebenslektion destillieren müssten, welche Botschaft würden Sie anderen mitgeben?

Ja, das ist einfach, ich würde mein Lebensmotto: „Go easy, but go!“ wählen. Das „easy“ steht dabei für die Impathie, unsere Bereitschaft uns mit Selbstfürsorge und Selbstliebe da zu treffen und abzuholen, wo wir gerade stehen. Das „go“ steht dabei für den Entschluss, uns auf den Weg zu machen, mit Neugier und Vertrauen. Ein „go“ ohne „easy“, kann schnell zum Crash führen, Ein „easy“ ohne „go“ zu einer Lethargie. Beides ist wichtig, damit wir auf ehrliche und authentische Art voranschreiten können. Daher: Go easy, but go!

Mindful Moments - Gespräche die berühren

In dem neuen Format im Online Magazin von Wellness Heaven "Mindful Moments – Gespräche, die berühren“ unterhalten wir uns mit Hoteliers, Spa-Experten, Ärzten, Wellness-Consultants und anderen interessanten Persönlichkeiten, die wir während der letzten 20 Jahre auf unseren Wellness Heaven Reisen durch die Welt kennenlernen durften und die uns tief beeindruckt haben. Ihnen allen ist eines gemein: Sie sind auf der Suche nach Wohlbefinden und einem erfüllten Leben für sich und andere. Wir fragen nach Ihren Geheimnissen um Glück, Zufriedenheit und persönlichem Erfolg auf die Spur zu kommen. Außerdem stellen wir neue Trends im Wellnessbereich vor, sprechen aber auch über jahrhundertealte, bewährte Methoden für ein sinn- und freudvolles Leben. Wir diskutieren über die Gedanken großer Philosophen und fragen nach Büchern, die bewegen. Und natürlich nehmen wir Sie immer wieder mit, an ganz besondere Orte, die mit fabelhafter Natur und wachen Ideen für mehr Gesundheit und Begeisterung im Leben sorgen. Wir hoffen, dass die Begegnungen mit diesen Menschen bei Ihnen genauso nachklingen wie bei uns und Sie inspirieren, Ihre eigene Lebensreise so einmalig, selbstbestimmt und erquicklich wie möglich zu gestalten. Bon voyage!

ENGLISH VERSION

Interview: Dr. Martin Inderbitzin, Neuroscientist, Author, Keynote Speaker, Cancer Survivor

Dr. Martin Inderbitzin, neuroscientist, author, keynote speaker, cancer survivor. ©Dr. Martin Inderbitzin.
Dr. Martin Inderbitzin, neuroscientist, author, keynote speaker, cancer survivor. ©Dr. Martin Inderbitzin.

“The greatest mistake we humans make is believing we have time.”

This sentence, often attributed to Siddhartha Gautama (the Buddha), takes on a special depth when seen through the lens of Dr. Martin Inderbitzin’s biography.

Few embody the truth of this thought as powerfully as Dr. Martin Inderbitzin, neuroscientist, author, keynote speaker, cancer survivor, and founder of the internationally award-winning non-profit initiative “My Survival Story.”

Dr. Inderbitzin studied neurobiology at ETH Zurich and earned his PhD at Universitat Pompeu Fabra in Barcelona, focusing on stress and emotional processing. Yet the most valuable lessons about life did not come from theory, but at the age of 32, when he was diagnosed with pancreatic cancer. For the past 13 years, he has lived with a constant awareness of his own mortality. And it is precisely this existential experience that has made him a guiding light for so many.

Over the last decade, through more than 100 keynotes, workshops, retreats, and self-leadership camps worldwide, he has supported, encouraged, and inspired thousands. He translates neuroscientific insights into simple, everyday impulses, into practical methods for greater resilience and mental well-being. His TEDxTalk has been viewed more than half a million times, and his book “Courage to Live” has become a powerful companion for many.

At the heart of his work lies one existential question: "How do I want to live?"

Dr. Martin Inderbitzin has learned that the foundation of a fulfilling life is self-friendship: the courage to meet yourself honestly, to support yourself, and to truly listen to your inner voice. That voice rarely speaks in noise. It grows louder in silence, for him, for example, on his sailboat, on solitary hikes, in moments beyond distraction and dopamine kicks.

He knows how easily we remain in our dreams and how often we stumble when it comes to bringing them to life. How strongly our “monkey mind” can pull us away from what truly matters. How hard it is to make brave decisions and how liberating it becomes when we do. With empathy, curiosity, trust, and many small steps, true to his credo: "Go easy, but go."

For me, Dr. Martin Inderbitzin’s voice came at a time when someone in my immediate family was also confronted with a diagnosis of pancreatic cancer, a period in which I felt the ground disappear beneath my feet. His perspective has given me strength and confidence ever since. It reminded me that life is a gift we are allowed to shape actively.

The “Mindful Moments” with Dr. Martin Inderbitzin therefore mean a great deal to me. They are a wake-up call, for courage, clarity, and purpose. For a life that aligns with our values, strengths, and deepest longings. Especially in times when nothing seems certain, Dr. Martin Inderbitzin has become an important source of orientation for me, one that shows how life can succeed despite, because of, and beyond all challenges.

Buddha is said to have remarked: “The greatest mistake people make is believing they have time.” Since your diagnosis 13 years ago, you have lived with treatments, follow-up MRI scans, and a constant undertone of existential uncertainty. How has this early encounter with your own mortality changed your view of time? Which priorities did you reset after the diagnosis?

The diagnosis fundamentally changed how I relate to time. Before, I believed I could start “later”, live later, dream later, be brave later. Suddenly, it became clear: “later” is a concept that may not exist. Time was no longer something I might lose; it became something I actively shape. I learned that priorities don’t come from the mind, but from the heart. I asked myself: What truly matters to me? And that led to a clear orientation: nurturing relationships, pursuing projects that have meaning, and taking care of my mental health. I also began to take every step, even the smallest one, seriously, because it’s not about the destination or the finish line, but about how I set out on the path. Exactly as my motto says: Go easy, but go.

In your TEDxTalk, you describe that powerful “eureka” moment in the oncology when a fellow patient said his greatest wish was “to die in peace.” Why did that sentence become such a turning point for you? And do you agree with Bonnie Ware’s observations in her book “The Top Five Regrets of the Dying” that fear of death diminishes the more courageously and curiously we shape our lives?

Dr. Martin Inderbitzin translates neuroscientific insights into simple, practical guidance and methods that strengthen resilience and mental well-being. ©Dr. Martin Inderbitzin.
Dr. Martin Inderbitzin translates neuroscientific insights into simple, practical guidance and methods that strengthen resilience and mental well-being. ©Dr. Martin Inderbitzin.

That moment shook me deeply, because it showed me that peace is not something that appears only at the very end. It is something we create, day by day. Hearing the words "to die in peace” made me realize, how little peace many of us experience in life because we allow ourselves to be steered by expectations, fears, and self-doubt. For me, it was a turning point because the sentence stirred something in me. I did not want to wait until I was forced to face death to find peace. I wanted to learn how to live in the present.

I can relate very strongly to Bonnie Ware’s observations. The more courageously and curiously we live, the less we are haunted by regret. Fear often grows out of what we do not dare to do, what we do not try, and what we do not say. Courage, on the other hand, creates connection, meaning, and gratitude, and that softens the fear of the end. I believe a fulfilled life is not the absence of fear, but the trust to take steps in spite of fear and to shape one’s life consciously. Because when we manage to do that, we arrive at the end with more peace of mind, knowing we lived in alignment with what truly mattered.

Seneca wrote: “If you do not know to which port you are sailing, no wind is the right wind.” You have said that for a long time you were drifting more than sailing, until a course began to emerge through experimentation, detours, and honest inner listening. Did your illness help you find your course?

And what role did the following questions play for you?

  • Am I living the life I truly want to live?
  • Am I following my longings and dreams, or mainly the expectations of others?
  • What is my unique gift to the world?

My cancer diagnosis did not automatically set me on course. At first, and again and again, it shook me to the core. But it also forced me to look more honestly. Suddenly, it was clear: if I only have limited time left, I do not want to spend it living someone else’s life. That is why these three questions became an inner compass for me. “Am I living the life I truly want to live?” made me shift my priorities, away from the external and toward what is within.

The question about expectations was especially challenging, because we are trained to please others. This is the strange gift of cancer, if I may put it that way. Cancer can feel like a carte blanche. Suddenly you are allowed to follow your wild visions or try something entirely new, and people celebrate it. Or at least you receive less criticism than you would if you were “healthy.” All of a sudden, people around me said: you are doing exactly the right thing, you are daring something. There is something liberating about that, when you finally give yourself permission to listen to your heart.

I believe the “gift to the world” is often closer than we think. It is not found in grand plans or perfect achievements, but in what we can live and share authentically.

Hermann Hesse wrote: “Our restlessness is an escape from what is within us.” You speak of an “overcivilization” in which we numb ourselves with consumption, constant stimuli, and dopamine hits. Why does being alone, especially in nature, play such a central role in your life? How can we learn to tolerate silence again? And why can solitary retreats become a foundation for self-friendship, clarity, and new visions for life?

For me, being alone is not a withdrawal. It is a return to myself. In today’s "overcivilization", we are constantly distracted, driven, and numbed. We barely hear our own voice anymore. Nature offers the ideal setting to truly experience silence. There are no emails, no noise, just rhythm, light, wind, and time. At first, it feels unfamiliar and sometimes uncomfortable to simply be quiet, but that is exactly where the value lies for me. No phone to photograph the beauty around me, and no podcast to keep me inspired.

When we can stay with silence, we begin to understand ourselves better, our desires, fears, and longings. Solitary time like this, acts like a mirror. It shows us where we need to look honestly, and it helps us develop self-friendship. From that clarity, a new vision for life often emerges, because we finally understand what we truly want, beyond expectations, distractions, and external influences.

But it takes more than a 30-minute walk in a city park. A few days of silence are far more powerful if you want to get closer to the core. That said, you can also start small, for example with a Sunday without your phone. Often the first one or two days are the hardest. Only then, does the liberating effect begin to unfold.

Seneca wrote: “Trust in life, and it will carry you toward the light.” You draw a clear distinction between hope, which is always tied to conditions, and trust, which implies, “I will find my way, no matter how it turns out.” How did you manage this inner shift? And how can we cultivate trust in everyday life, especially when life shakes us to its very foundations?

This shift has not become permanent for me. I manage it sometimes, and I fail at it at other times. That is important to say. I, too, have to choose trust again and again, especially when things get hard. I have to remind myself consciously: I want to trust. When I repeat that often enough, I suddenly start to believe it.

For me, trust is like a plant that I keep watering, again and again.

We grow up in a world that trains us for self-control and perfection and, in a way, domesticates us. Many people become their own harshest critics, and self-doubt can feel omnipresent. Self-friendship, on the other hand, is often nowhere to be found.

After my father’s cancer diagnosis, I came across the following quote by Louise Hay:

“I am the one who creates miracles in my life.”

Do you share the view that trust in life also requires confidence in one’s own inner capacity for miracles? And how can we learn, especially in times of crisis, to meet ourselves with empathy, to praise ourselves, and to become our own best friend?

Dr. Martin Inderbitzin has realized that overcoming the own fears and doubts often unlocks the greatest potential for growth. ©Dr. Martin Inderbitzin.
Dr. Martin Inderbitzin has realized that overcoming the own fears and doubts often unlocks the greatest potential for growth. ©Dr. Martin Inderbitzin.

Yes, I firmly believe that trust in life is always connected to confidence in our own inner strength. All of us carry resources and abilities within us that often remain hidden until we truly need them. Especially in times of crisis, self friendship is essential, because external circumstances cannot always provide us with a sense of safety. It begins with learning to observe ourselves consciously, without judgment.

I often use the image of an inner mountain guide. Can I recognize, how I am doing and then act accordingly? Our task is not to force ourselves up the mountain with ice axe and crampons, but to support ourselves on the journey and to meet ourselves with kindness and compassion.

As a neuroscientist, you challenge three widespread myths about our brain:

  • That it is hardwired, meaning our personality, abilities, and ways of thinking are largely unchangeable, even though the brain is malleable and, thanks to neuroplasticity, change remains possible throughout life.
  • That emotions are irrational, even though they provide us with precise data and deserve our full attention.
  • That motivation is the starting point, when in fact it follows action.

Why do these myths persist so stubbornly? And what might change in many people’s lives if they understood the power of neuroplasticity, emotional intelligence, and small steps?

These myths persist because they are simpler and more comfortable to believe. They give us the feeling that we are limited and predictable. Many people look for fixed rules and clear boundaries instead of leaning into uncertainty and change. Yet once we understand that the brain is plastic, we realize that growth and transformation are possible at any age. It often just takes longer than we would like. The brain needs many repetitions to learn something new. That is another reason, the myth of fixed personalities or fixed abilities remains so widespread.

Seeing emotions as a valuable source of information rather than suppressing them would help us make wiser decisions and act more authentically. Emotions are not good or bad. They are pleasant or unpleasant. Of course, we prefer pleasant emotions because they feel better. But the unpleasant ones are often the better teachers. They can show and teach us something important, if we stay open to them.

And the idea, that motivation follows action means, we do not have to wait until we feel motivated before we begin. The first step creates motivation. The key is to take action even when we do not feel like it. Once we start moving, it gets easier. That is why I find the phrase “Go easy, but go” so helpful. It removes pressure, yet still keeps us moving forward.

The writer and philosopher Ricarda Huch once wrote:

“No fear shall paralyze me.”

You explain that the amygdala, our brain’s evolutionary alarm center, reacts immediately to uncertainty, causing us to overestimate dangers and underestimate possibilities. You therefore, recommend that we always differentiate fear. Is it a real protective mechanism warning us of a life-threatening danger, or is it pointing to our own potential for development and growth?

For you, this also holds true: “The magic, that you are looking for is in the work that you are avoiding.”

Why are courage, growth, and meaning so often found precisely where we most hesitate to go, outside our comfort zone? And how can we train courage, so that we approach unfamiliar terrain with curiosity instead of avoiding it?

Even while undergoing medical treatments, Dr. Martin Inderbitzin trained for a triathlon. ©Dr. Martin Inderbitzin.
Even while undergoing medical treatments, Dr. Martin Inderbitzin trained for a triathlon. ©Dr. Martin Inderbitzin.

Courage, growth, and meaning are often found exactly where we feel afraid, because our brains are evolutionarily wired to overestimate risk. The amygdala protects us from real danger, but it can also hold us back when fear is simply warning us about the unknown. Often, that kind of fear is a sign that our greatest potential for growth lies there. Those who learn to distinguish between genuine threat and an inner impulse to grow discover new possibilities.

One question helps me again and again: Is it truly dangerous, or is it just fear? If it is truly dangerous, then of course, I do not do it. But if it is just fear, then it is probably worth taking a closer look and daring to try.

Courage can be trained by taking small steps into the unknown without overwhelming ourselves. I do not call these tests of bravery, but tests of trust. The idea is to do something that gives us a slightly uneasy feeling, yet still feels doable. Once, we have done it, we quickly realize, that it was not nearly as scary as we imagined. We build trust in ourselves and in our abilities. When we string together many of these tests of trust, we gradually become braver and more confident.

Every experience in which we approach fear with discernment strengthens neural pathways that enable action instead of paralysis. What matters, is combining curiosity with self-friendship. We are allowed to make mistakes, and we can stay by our own side as we learn. This is how the comfort zone does not suddenly expand overnight, but grows step by step.

You say that our “monkey mind” loves drama, endlessly accumulates knowledge, and keeps us from taking action. And you describe your very first triathlon training session during chemotherapy: five minutes on the stationary bike with an IV line in your arm, five minutes that changed everything. Why is the gap between knowing and doing so wide? And why do small first steps have such power against procrastination, overwhelm, and perfectionism?

The gap between knowing and doing exists because our monkey mind is constantly analyzing, judging, and justifying. We can know a great deal, yet still rarely act. Knowledge alone does not change anything if we do not bring it into practice. My first triathlon session during chemotherapy lasted only five minutes, and yet it was a turning point. It showed me that action is possible, even when my monkey mind tries to interfere and talk me out of doing it.

Small first steps create immediate feedback. We feel a sense of control and progress, and that sparks motivation. Small steps work like a lever against procrastination, overwhelm, and perfectionism because they shift the focus away from the perfect plan and toward what matters now, in this moment.

How do you, as a neuroscientist and cancer patient, view the current longevity boom? To what extent is the desire for a longer life also an attempt to tame the loss of control that comes with our own mortality?

And how can we find a wise balance between meaningful preventive care and an optimization pressure that, in the end, through counting steps, tracking sleep, swallowing pills, taking cold baths, and constantly practicing conscious breathing, robs us of the very things we are actually looking for: aliveness, lightness, and inner stability? Would you argue instead for more adventure?

Can your thesis, “The key to a fulfilling life lies not in optimizing, but in experimenting,” also be applied to the context of longevity?

The current longevity boom shows how strongly we try to gain control over our mortality. But the longing for perfect health can quickly turn into an obsession with optimization that steals our joy of living and our sense of ease. For me, the key is to distinguish between sensible preventive care and exaggerated perfectionism. Counting steps, swallowing pills, or taking cold baths does not help much if, in the process, we forget to actually live.

Yes, absolutely. Adventure, experimentation, and consciously experiencing moments are, in my view, central to a fulfilling life, including in the context of longevity. My thesis, “The key to a fulfilling life lies not in optimizing, but in experimenting,” translates directly. It is about staying curious, courageous, and active instead of constantly measuring and controlling. When we dare to run experiments, collect experiences, and truly feel into our own body, we experience real aliveness. That is the foundation of health, resilience, and inner stability.

All of us want to grow old, but preferably without the visible traces of life. Why do we find it so hard to appreciate wrinkles, scars, and the marks on our soul as expressions of a life truly lived? And what would change if we linked beauty less to flawlessness and more to serenity and to that trusting lightness of spirit that Hermann Hesse describes as “affirming all reality, staying awake at the edge of every depth and abyss, and in the mystery of beauty”?

We have unlearned how to accept life in all its depth, and we often equate beauty with perfection. Wrinkles, scars, and emotional traces are therefore seen as shortcomings rather than as evidence of a life lived. This pursuit of perfection is culturally reinforced through advertising, social media, and societal ideals.

If we learn to value serenity and a trusting lightness of spirit, our perspective on ourselves and others changes. We begin to experience beauty in experience, depth, and authenticity, not only in outward perfection.

“My house, my boat, my horse.” For a long time, status and possessions were seen as the measure of success. Are we witnessing a paradigm shift in which awareness, time, experiences in nature, health, relationships, and self-determination are becoming more important? How has your definition of success changed through your own life story?

When I was confronted with my cancer diagnosis, one thing became crystal clear to me: in the end, you cannot take anything with you. My focus shifted dramatically toward shared experiences with the people I love most. Because at the end of life, I will not say, “That beautiful watch made my life better.” I will say, “The precious time it showed me, and the time I was able to spend with the people I love, is what made my life full.” That does not mean I do not appreciate a beautiful watch. I just know that it is not the watch itself, but the time it represents, that is the truly beautiful part.

Which books and which music have accompanied or shaped you most throughout your life?

Books and music have supported and influenced me in different ways at different stages of my life. I have been especially drawn to books that touch on existential questions. Viktor Frankl’s “Man’s Search for Meaning” showed me how purpose, hope, and inner freedom can profoundly transform a life. Paulo Coelho’s “The Alchemist” encouraged me to follow my own path, even when it feels unconventional.

From the scientific literature, the work of Antonio Damasio has had a strong impact on me because, it highlights how closely thinking, feeling, and the body are intertwined.

Music often accompanies me in moments of reflection and calm. The piano pieces of Ludovico Einaudi have given me comfort and clarity in difficult times. And when life feels stormy, I can highly recommend the spacious, meditative sounds of Malte Marten.

If you had to distill your experiences as a neuroscientist, patient, author, and human being into a single life lesson, what message would you want to share with others?

Yes, that is easy. I would choose my life motto: “Go easy, but go!” The “easy” stands for empathy and for the willingness to meet ourselves exactly where we are, with self-care and self-love. The “go” stands for the decision to set out, with curiosity and trust. A “go” without “easy” can quickly lead to a crash. An “easy” without “go” can turn into lethargy. We need both if we want to move forward in an honest and authentic way. Therefore: go easy, but go.

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In our new online magazine format “Mindful Moments - Conversations That Inspire,” we speak with hoteliers, spa experts, doctors, wellness consultants, and other fascinating individuals we’ve had the pleasure of meeting during our Wellness Heaven journeys around the world over the past 20 years. What unites them all is a shared passion: the pursuit of well-being and a fulfilled life - for themselves and for others. We explore the secrets behind happiness, contentment, and personal success. We shine a light on emerging wellness trends while also honoring time-tested practices that have offered people meaning and joy for centuries. We reflect on the thoughts of great philosophers and ask about the books that have moved and inspired our guests. And of course, we take our readers along to truly special places - destinations blessed with breathtaking nature and vibrant ideas that nourish both body and soul. We hope that these encounters resonate with you as deeply as they have with us - and inspire you to shape your own life journey as uniquely, consciously, and joyfully as possible. Bon voyage and happy readings!





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