
Im Sommer 2025 Jahres durfte ich Michaela Götz, die als Coach arbeitet, während eines Vortrags über mutige Entscheidungen im Tiroler Wellnesshotel Stanglwirt kennenlernen. Sie teilte dort unter anderem die Erkenntnisse aus Bronnie Wares Buch „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“. Eine Lektüre, die ich sehr schätze, weil sie die existenzielle Frage aufgreift, was im Leben wirklich zählt und was wir viel zu oft aufschieben.
Im Gespräch mit Michaela wird schnell deutlich: Bei dem Gros ihrer Coachees geht es selten nur um ein einzelnes Thema. Vielmehr geht es um die Beziehung zu sich selbst: um Selbstkenntnis und darum, sich ehrlich zu betrachten, eigene Stärken und Talente zu erkennen und die eigenen Bedürfnisse bewusst wahrzunehmen. Um den Mut, Entscheidungen zu treffen, die nicht nur vom Verstand, sondern auch von der Intuition geleitet sind. Und letztlich darum, sich selbst ein verlässlicher Begleiter zu sein, sich innerlich halten zu können, gerade dann, wenn es im Außen stürmt. Ganz nach Seneca: „Das höchste Gut ist die Harmonie der Seele mit sich selbst.“
Michaela spricht auch darüber, warum viele Frauen von klein auf gelernt haben, es allen recht machen und gefallen zu wollen, und weshalb es sich zunächst ungewohnt und auch unbequem anfühlen kann, für sich selbst und die eigenen Wünsche und Bedürfnisse einzustehen. Sie gibt Tipps, wie man die eigene Komfortzone „stretchen“ kann, und rät, sich bei wichtigen Entscheidungen eher zu fragen: „Was verpasse ich, wenn ich es nicht tue?“, statt sich von der Frage leiten zu lassen: „Was kann schiefgehen?“ Denn positive Gedanken und Vertrauen in das Leben sind für Michaela das Fundament für Erfüllung. Ganz nach Ralph Waldo Emerson: „Das Leben besteht in dem, was ein Mensch den ganzen Tag über denkt.“
Michaela zeigt auf, wie stark gerade Frauen von äußeren Erwartungen und vermeintlichen Perfektionsbildern geprägt sind und warum der Weg aus dieser Dynamik nicht im Außen liegt, sondern in der bewussten Rückverbindung zu sich selbst. Denn man kann im Außen unendlich nachjustieren. Wenn das Selbstbild brüchig ist und der Blick auf sich selbst nicht von Wertschätzung getragen wird, wird es nie reichen. Dann jagt man weiter vergeblich dem nächsten Trend, dem nächsten Produkt, dem nächsten Ideal hinterher.
Außerdem geht es um mentale Stärke, um die besondere Qualität resilienter Menschen und um einen Wandel, den Michaela auch gesellschaftlich beobachtet: weg von äußerer Optimierung hin zu echter mentaler Regeneration. Erholung sollte nicht länger als Belohnung nach erbrachter Leistung verstanden werden, sondern als Voraussetzung für ein gesundes und erfülltes Leben.
Als Lebensrat verdichtet sie all das in einem klaren Gedanken: Übernimm die volle Verantwortung für dein Leben und verstehe dich nicht als Opfer der Umstände. Vertraue dir selbst und deiner inneren Stimme und gehe mutig deinen Weg.
Du hast viele Jahre als Führungskraft in einem großen Konzern gearbeitet und Dich später für den Schritt in die Selbstständigkeit als Female Empowerment & Leadership Coach entschieden. Was hat Dich dazu bewogen, den klassischen Karriereweg im Konzern zu verlassen und Deiner Laufbahn eine neue Richtung zu geben?
Das war tatsächlich eine der mutigsten Entscheidungen in meinem Leben. Ich habe sehr gut verdient, hatte einen „sicheren Job“, war sogar unkündbar. Und trotzdem habe ich in meiner Babypause ganz klar gespürt: Da wartet noch ein anderer Weg auf mich.
Am Ende war es ein klassischer Konflikt zwischen Kopf und Bauch. Der Kopf wollte Sicherheit und der Bauch wusste längst, dass ich einen anderen Weg einschlagen möchte. Und ehrlich gesagt hat mein Körper mir dabei sehr deutlich geholfen, hinzuschauen. Ich hatte massive Rückenprobleme und wusste genau, dass diese Probleme nicht einfach nur rein körperlicher Natur waren, sondern einen tieferen Ursprung hatten.
Ich bin schon lange als Coach tätig, seit über 15 Jahren. Und irgendwann kommt der Punkt, an dem es nicht mehr reicht, die Theorie zu kennen oder top qualifiziert zu sein. Für mich ging es darum, genau das auch konsequent zu verkörpern und zu leben. Authentisch zu sein. Mich selbst ernst zu nehmen. Mich zu hinterfragen. Hinzuschauen. Entscheidungen zu treffen, ins Tun zu kommen, meinen Herzensweg zu gehen und meiner Vision zu folgen, Menschen auf ihrem Weg zu begleiten.
Rückblickend ging es für mich also gar nicht anders, als ins Vertrauen zu gehen und diese Entscheidung für mich zu treffen. Eine Entscheidung, die mich jeden Tag erfüllt und glücklich macht, weil es für mich mehr als „nur“ ein Job oder Business ist.
Menschen in Coachings, Workshops oder auf Bühnen zu begleiten und meine Erfahrungen weiterzugeben. Ihnen zu zeigen, was möglich ist, wenn sie an sich glauben, für sich einstehen und mutig ihren eigenen Weg gehen, genau darin liegt meine Berufung.
Heute begleitest Du in Deinen Coachings vor allem Frauen auf ihrem Weg. Mit welchen Themen und Herausforderungen kommen sie am häufigsten zu Dir?
Die Themen, mit denen Frauen zu mir kommen, sind vielfältig und individuell. Und doch zeigt sich im Kern oft ein ähnliches Muster.
Sie kommen mit Themen wie:
Die Frauen, die ich berate sind meist sehr kompetent und erfolgreich. Von außen wirkt vieles stimmig. Das Innenleben der Frauen zeigt jedoch häufig ein differenzierteres Bild. Oft geht es nicht um ein einzelnes Thema, sondern um ein Zusammenspiel verschiedener Aspekte, und letztlich auch immer wieder um die Beziehung zu sich selbst.
In vielen Lebensbereichen stehen Frauen heute unter enormem Erwartungsdruck: Sie tragen häufig den Großteil der Care-Arbeit, sollen beruflich erfolgreich sein, körperlich fit bleiben, souverän mit hormonellen Veränderungen wie Schwangerschaft oder Menopause umgehen und dabei möglichst mühelos und strahlend wirken. Gleichzeitig vermitteln Medien oft das Bild, dass all das scheinbar problemlos gelingt. Beobachtest Du in Deinen Coachings, dass genau dieser Druck zu Stress und Selbstzweifeln führt? Und was rätst Du Frauen, die sich von diesen Erwartungen überfordert fühlen? Und warum fällt es gerade Frauen so schwer, an sich selbst zu glauben und auch von sich selbst begeistert zu sein, obwohl sie objektiv so viele Jobs bravourös meistern?
Ja, absolut. Dieser Druck ist enorm, und ich nehme ihn in meiner Arbeit sehr deutlich wahr. Manchmal frage ich mich, was wäre, wenn es zum Beispiel Social Media nicht gäbe. Denn genau dort entsteht oft dieser völlig verzerrte Vergleich. In den Medien ist man von scheinbarer Perfektion umgeben, und plötzlich stellt man alles infrage: den Job, die Beziehung, den Körper, den Alltag, den eigenen Lebensstil, kurzum das ganze Leben.
Frauen versuchen heute oft, in allen Lebensbereichen gleichzeitig zu glänzen: Beruflich erfolgreich, finanziell unabhängig, mental stark, körperlich fit, partnerschaftlich präsent. Und bitte alles mit Leichtigkeit und im Flow. Die Realität dahinter, und das sehe ich in meiner Arbeit sehr häufig, sieht oft ganz anders aus.
Denn die Bilder, die uns in den Medien generiert werden, sind in vielen Fällen eine Illusion. Natürlich zeigen wir selbst auch nach außen lieber die geschminkte, geschönte, perfekte Welt. Gleichzeitig bewundere ich Frauen sehr, die offen über ihre Herausforderungen sprechen, über Themen, mit denen sie kämpfen. Genau das gibt anderen Frauen Kraft und das Gefühl: Ich bin nicht allein mit meinen Problemen.
Was ich in meinen Coachings sehe, ist keine Schwäche. Ich sehe oft Überforderung, die viel zu lange kompensiert wurde. Wir Frauen können eines sehr gut, und ich spreche hier auch aus eigener Erfahrung: funktionieren. Und dabei weiterhin strahlen. Das hängt auch damit zusammen, dass wir selbst einen sehr hohen Anspruch an uns haben.
Was ich Frauen rate, ist oft überraschend simpel und gleichzeitig unbequem: Hör auf, Dich ständig im Außen zu optimieren. Fang an, ehrlich zu Dir selbst zu sein und nach innen zu schauen.
Und das Wichtigste: Richte den Fokus wieder auf Dich. Entfolge zum Beispiel Profilen auf Social Media, die Dir nicht guttun. Schau auf Dein Umfeld: Wer oder was gibt Dir Energie, wer oder was raubt Dir Energie?
Der fehlende Glaube an sich selbst hat viel mit Prägung zu tun. Bescheiden sein, nicht zu laut, nicht zu viel, nicht zu fordernd. „Höflich, lieb und nett“ stand früher oft in Poesiealben von Mädchen.
Viele Frauen haben gelernt, stark zu sein, aber nicht, sich selbst anzuerkennen oder sich an erste Stelle zu setzen, ohne dabei als egoistisch oder arrogant wahrgenommen zu werden.
Eine Randnotiz noch: Männer haben nicht weniger Druck (Stichwort: Mein Boot, mein Haus, mein Auto, Statussymbole, Job…) Ich glaube, sie gehen allerdings anders mit dem Druck um.
Unsere Zeit ist stark von Selbstoptimierung geprägt, vom perfekten Mindset bis zu immer neuen Gesundheits- und Schönheitsroutinen. Gleichzeitig steckt hinter vielen dieser Trends eine mächtige Konsumlogik, die ständig an unserem Selbstbild arbeitet und uns suggeriert, wir müssten nur das nächste Produkt kaufen oder die nächste Methode ausprobieren, um schöner, gesünder oder glücklicher zu werden. Wie blickst Du auf diese Entwicklung? Sollten wir Frauen solche Trends kritischer hinterfragen?
Ich verfolge diese Trends, interessiere mich auch sehr für Frauengesundheit, Longevity und beschäftige mich seit 20 Jahren mit Persönlichkeitsentwicklung und Mindset. Es gibt hier einfach einen sehr großen Markt. Einen Markt rund um ewige Schönheit, Jugend, Langlebigkeit und Gesundheit.
Wichtig ist dabei: Ein gesunder Wunsch nach Entwicklung ist etwas anderes als ein permanentes Gefühl, nicht zu genügen. Genau hier wird es kritisch, und das sehe ich sehr deutlich. Viele Trends leben genau davon. Sie suggerieren: Du bist noch nicht richtig. Um an den Punkt X zu gelangen oder um beispielsweise Deine Sehnsucht nach Anerkennung zu erfüllen, brauchst Du dieses Produkt oder genau diese Methode.
Du kannst im Außen unendlich nachjustieren. Wenn Dein Selbstbild und Dein Blick auf Dich selbst nicht stimmig sind, wenn Du Dich selbst nicht magst und wertschätzt, dann wird es nie reichen. Und Du jagst dann immer etwas hinterher: dem nächsten Trend, dem nächsten Produkt.
Ich sage nicht, dass man sich nicht entwickeln soll. Ich sage: Prüfe Deine Motivation und das, was dahintersteht. Mir ist es viel wichtiger, dass Frauen wieder mehr in Verbindung mit sich selbst kommen, ihre ureigenen Wünsche und Bedürfnisse erkennen. In sich hineinspüren, was sie wirklich brauchen, um glücklich zu sein. Und das ist selten ein Produkt.
Du sprichst oft davon, dass die wichtigste Sicherheit im Leben nicht im Außen, sondern im Inneren liegt. Der römische Philosoph Seneca schrieb: „Das höchste Gut ist die Harmonie der Seele mit sich selbst.“ Wie kann man lernen, diese innere Sicherheit und innere Harmonie aufzubauen?
Ein wunderschönes und sehr treffendes Zitat. Wer einmal krank war oder einen Schicksalsschlag erlebt hat, weiß: All die Konsumgüter und der Luxus dieser Welt bedeuten wenig, wenn die innere Harmonie fehlt.
Innere Sicherheit entsteht nicht durch Kontrolle oder Besitz im Außen. Sie entsteht durch Vertrauen im Inneren. Durch das Vertrauen ins Leben und darauf, dass es das Leben letztlich gut mit uns meint, egal, welcher Sturm im Außen tobt. Und dieses Vertrauen baut sich nicht über Nacht auf.
Es beginnt damit, dass Du Dir selbst wieder glaubst. Dass Du Deine eigenen Entscheidungen ernst nimmst. Deine Fähigkeiten und Stärken erkennst und lebst. Und dass Du aufhörst, Dich ständig infrage zu stellen.
Ganz konkret heißt das:
Das Leben ist das, was passiert. Entscheidend ist, wie wir damit umgehen.
Viele Menschen geraten heute in Gedankenspiralen und „Overthinking“. Was sind Deiner Erfahrung nach die wichtigsten Schritte, um wieder mehr Klarheit im Kopf zu bekommen?
Der Verstand ist ganz schön mächtig und hält uns dauerhaft auf Trab. Zumindest so lange, bis wir erkennen, dass wir die Kraft haben, unsere Gedanken zu steuern. In beide Richtungen. Heißt: Wenn wir negativ denken und alles über- und zerdenken, dann können wir das auch in die andere, positive Richtung lenken. Das erfordert Klarheit, Disziplin und Fokus.
Viele verwechseln Denken mit Klarheit. In Wahrheit ist „Overthinking“, also das Denken in Endlosschleife, ein Zeichen von innerer Unsicherheit, fehlender Verbindung und dem Versuch, Kontrolle zu gewinnen, wo eigentlich Vertrauen gefragt wäre.
Für mich gibt es drei wichtige Schritte, um wieder mehr Klarheit zu bekommen:
1. Raus aus dem Kopf, rein in den Körper.
Wir sind oft viel zu verkopft, zerdenken alles, sitzen am Laptop oder am Handy. Gedankenspiralen entstehen selten, wenn wir wirklich präsent und mit uns selbst verbunden sind. Bewegung, ein Spaziergang ohne Ablenkung oder bewusstes Atmen holen uns aus der Endlosschleife zurück ins Hier und Jetzt und wieder in den Körper.
2. Gedanken nicht glauben, sondern prüfen.
Nicht jeder Gedanke ist wahr oder hilfreich, ganz im Gegenteil. Folgende einfache Frage schafft sofort Abstand und auch Klarheit: „Hilft mir dieser Gedanke gerade weiter oder schadet er mir eventuell sogar?“ Klarheit entsteht, wenn wir beginnen, unsere Gedanken zu hinterfragen, zu führen, statt ihnen blind zu folgen und jeden einzelnen Gedanken zu glauben.
3. Entscheidungen vereinfachen.
„Overthinking“ ist oft ein Symptom von zu vielen Optionen und zu wenig innerer Klarheit. Das ist auch unserer heutigen Zeit geschuldet, denn wir haben rund um die Uhr unzählige Möglichkeiten. Wer jedoch seine Werte kennt und sich daran orientiert, äußere Einflüsse besser ausblenden kann, und damit auch weniger beeinflussbar ist, trifft schneller Entscheidungen und bleibt weniger in solchen Gedankenspiralen hängen.
Du sprichst in Deinem Podcast auch darüber, wie wegweisend mutige Entscheidungen und das Verlassen der eigenen Komfortzone sein kann. Du bist der Ansicht, Mut wird immer belohnt. Warum fällt es uns oft so schwer, mutig zu sein selbst dann, wenn wir spüren, dass ein neuer Schritt eigentlich richtig wäre? Und wie können wir unseren Mut trainieren?
Mut scheitert fast immer an unserem Sicherheitsbedürfnis. Wir wollen uns sicher fühlen, obwohl sich die Umstände oft nicht mehr sicher, gut oder „komfortabel“ anfühlen. Doch das Gehirn wählt zunächst immer das Vertraute.
Wichtig ist dabei zu wissen, dass unser Gehirn nicht darauf ausgelegt ist, uns glücklich zu machen, sondern uns zu schützen. Alles, was neu ist, wird erst einmal als potenzielles Risiko bewertet. Selbst dann, wenn wir innerlich längst spüren: „Das wäre mein nächster richtiger Schritt“, meldet sich sofort die Gegenstimme: „Was, wenn es schiefgeht? Was, wenn ich scheitere? Was, wenn es schwierig wird?“ Das heißt: Wir wählen hier oft Sicherheit, anstatt uns zu fragen, ob diese Gedanken dienlich sind oder nicht.
Dazu kommt ein zweiter Punkt, der oft unterschätzt wird: Mut bedeutet immer auch, sich sichtbar zu machen. Und Sichtbarkeit macht angreifbar. Viele Menschen fürchten nicht nur das Scheitern, sondern vor allem die Bewertung von außen. Genau hier liegt der Kern: Wir verwechseln Sicherheit mit Stillstand. Kurzfristig fühlt sich das bequem an, langfristig kostet es uns Klarheit, Energie und vor allem Wachstum.
Wie lässt sich Mut trainieren? Nicht durch große Sprünge, sondern durch Wiederholung. Ich spreche mittlerweile auch davon, die Komfortzone zu „stretchen“, anstatt sie zu verlassen. Das fühlt sich mental oft zugänglicher an.
Erstens: Mut in kleinen Dosen üben.
Mut ist kein Persönlichkeitsmerkmal, sondern ein Muskel. Wer beginnt, im Alltag kleine unbequeme Entscheidungen bewusst zu treffen, stärkt seine innere Handlungskraft. Ein klares Nein. Eine ehrliche Meinung. Ein Schritt, der sich leicht außerhalb der Komfortzone anfühlt. Ein Muskel wächst, je öfter man ihn trainiert. Dasselbe gilt für Mut und mutige Entscheidungen.
Zweitens: Den Fokus verschieben.
Weg von „Was kann schiefgehen?“ hin zu „Was verpasse ich, wenn ich es nicht tue?“ Diese Perspektive verändert sofort die emotionale Bewertung, schafft Raum und öffnet den Blick für neue Chancen und Möglichkeiten.
Drittens: Vertrauen vor das Ergebnis stellen.
Mut wird nicht immer im Außen belohnt, aber immer im Inneren. Jede mutige Entscheidung stärkt das Gefühl: Ich kann mich auf mich selbst verlassen.
Und genau das ist am Ende die eigentliche Belohnung: Nicht, dass alles funktioniert, sondern dass wir anfangen, uns selbst zu vertrauen und aus jedem mutigen Schritt zu lernen.
Du arbeitest viel mit dem Thema „People Pleasing“, also dem starken Bedürfnis, es allen recht machen zu wollen. Warum geraten gerade viele Frauen in diese Dynamik, und wie kann man sich daraus befreien?
Vorab: „People Pleasing“, also das Gefallen wollen und das Bedürfnis, es allen recht machen zu wollen, ist ein sehr großes Thema für Frauen und begegnet mir in fast all meinen Coachings und Workshops. Warum? Viele Frauen rutschen in dieses Muster, weil sie früh lernen, dass Anpassung, Harmonie und Fürsorge mit Anerkennung belohnt werden, dieses klassische Lob-und-Tadel-Denken. Klarheit zu zeigen oder Grenzen zu setzen wurde dagegen oft nicht belohnt. Und so hängt der eigene Wert unbewusst daran, gebraucht, gemocht oder akzeptiert zu werden.
Das Problem dabei ist: Wer es allen recht machen will, verliert sich am Ende selbst. Man funktioniert nach außen, verliert sich aber im Inneren. Genau hier entstehen dann Unsicherheit und Selbstzweifel.
Der Ausweg beginnt mit einem Perspektivwechsel. Mit radikaler Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Eigene Bedürfnisse wahrnehmen, ernst nehmen und klar kommunizieren. Grenzen zu setzen ist dabei zentral, nicht gegen andere, sondern für sich selbst. Denn jeder ist für sich selbst verantwortlich, nicht für die Gefühle oder das Wohlbefinden anderer.
„People Pleasing“ ist letztlich eine erlernte Strategie und damit auch veränderbar. Der Schlüssel liegt darin, sich selbst zu sehen und wichtig zu nehmen, ohne die Verbindung zu anderen zu verlieren. Der Weg aus diesem Gefallen-wollen-Modus fühlt sich zunächst ungewohnt und eventuell auch unbequem an, weil das eigene System hier neu lernen darf. Der einzige Weg hinaus führt auch hier über das Tun und die gezielte Umsetzung.
In Deinem Podcast und in Deiner Arbeit sprichst Du viel über mentale Stärke und Resilienz. Wie kann man mentale Stärke entwickeln und resilienter werden? Und was unterscheidet Menschen, die auch in schwierigen Situationen ihre innere Stabilität bewahren, von denen, die an Krisen zerbrechen?
Mentale Stärke bedeutet nicht, immer stark zu sein. Es bedeutet, sich selbst auch in schwierigen Phasen nicht zu verlieren und innerlich auf Kurs zu bleiben. Diese Stärke entsteht nicht in den leichten Momenten, sondern genau dann, wenn es unbequem wird.
Resiliente Menschen haben nicht weniger Krisen als andere. Sie gehen nur anders mit ihnen um.
Der entscheidende Unterschied liegt in ihrer inneren Haltung. Sie erleben sich nicht als Opfer der Umstände, sondern als handlungsfähig. Sie übernehmen Verantwortung für das, was sie beeinflussen können, und akzeptieren, was außerhalb ihrer Kontrolle liegt. Dadurch bleibt ihr Fokus klar und ihre Energie gebündelt.
Gleichzeitig haben sie einen guten Zugang zu sich selbst. Sie nehmen ihre Gedanken und Gefühle wahr, ohne sich von ihnen mitreißen zu lassen. Sie beobachen ihre Gefühle ohne Wertung und nehmen sie an. Statt in alten Mustern stecken zu bleiben, richten sie ihren Blick nach vorne und denken in Lösungen und Möglichkeiten.
Resilienz ist keine angeborene Eigenschaft, sondern etwas, das wir entwickeln können. Durch ehrliche Selbstreflexion, einen bewussten Umgang mit Stress und eine klare innere Ausrichtung.
Am Ende ist mentale Stärke die Fähigkeit, mit sich selbst verbunden zu bleiben. Klar zu sein und auch in herausfordernden Zeiten im Vertrauen zu bleiben.
Was resiliente Menschen dabei auszeichnet, ist kein perfektes Leben, sondern ihr Umgang mit Herausforderungen. Sie übernehmen in turbulenten Lebensphasen aktiv Verantwortung, statt in die passive Opferrolle zu gehen, und bleiben handlungsfähig, auch dann, wenn es unangenehm wird.
Du beschäftigst Dich intensiv mit Mindset und der Kraft unserer Gedanken. Ralph Waldo Emerson schrieb einmal: „Das Leben besteht in dem, was ein Mensch den ganzen Tag über denkt.“ Inwiefern prägt unsere Gedankenwelt tatsächlich den Verlauf unseres Lebens? Und wie können wir lernen, bewusster mit unseren Gedanken umzugehen?
Das Zitat kann ich nur bestätigen. Unsere Gedanken sind machtvoller und kraftvoller, als wir oft glauben. Deshalb ist es so wichtig, sich über die Wirkung und Kraft der eigenen Gedanken bewusst zu sein. Denn unsere Gedanken prägen weit mehr als nur unsere Stimmung. Sie beeinflussen, wie wir Situationen bewerten, welche Entscheidungen wir treffen und wie wir handeln. Insofern formen sie tatsächlich unseren Alltag und damit langfristig auch den Verlauf unseres Lebens. Sie beeinflussen unsere innere Haltung, worauf wir unseren Fokus richten und wie wir darauf reagieren.
Entscheidend ist, dass wir lernen, nicht alles zu glauben, was wir denken. Gedanken sind oft geprägt von Erfahrungen, Prägungen und alten Mustern. Sie laufen automatisch ab und sind nicht immer hilfreich.
Ein bewusster Umgang beginnt damit, einen Schritt zurückzutreten und die eigenen Gedanken wahrzunehmen, statt sich von ihnen mitreißen zu lassen. Sich zu fragen: Ist das gerade wirklich wahr? Hilft mir dieser Gedanke? Bringt mich dieser Gedanke weiter oder blockiert er mich? Oder gibt es auch eine andere Perspektive?
So entsteht mit der Zeit mehr innere Klarheit und Handlungsspielraum. Denn wir können nicht immer steuern, welche Gedanken auftauchen. Aber wir können entscheiden, wie viel Raum wir ihnen geben und uns ganz bewusst mit positiven, stärkenden und kraftvollen Gedanken nähren. Genau das verändert mehr, als viele glauben.
Was begeistert Dich an einem Wellnesshotel? Und was erwartest Du von einer Kraft bringenden Auszeit? Welche neuen Wellness- oder Mental-Health-Trends siehst Du in den kommenden Jahren auf uns als Gesellschaft zukommen?
Was mich begeistert und für mich den Unterschied macht, ist zum einen, wie ein Haus geführt wird. Ob ein Ort eine Seele hat. Und das geht weit über Freundlichkeit, gute Architektur oder hochwertige Materialien hinaus. Man spürt, ob die Menschen mit Herz dabei sind, ob die Details greifen, das Gesamtkonzept klar erkennbar ist und die Abläufe ruhig und selbstverständlich ineinandergreifen.
Zum anderen begeistert mich an einem Wellnesshotel vor allem die Vielfalt der Möglichkeiten. Von Ruhe und Entspannung über Sport, Fitness und Anwendungen bis hin zu einer guten Küche, die den Spagat zwischen Genuss und gesunder Ernährung schafft. Im Wellnessurlaub bin ich gerne aktiv und schätze diesen Wechsel aus Bewegung und Erholung. Was für mich ebenfalls wichtig ist, ist eine Naturkulisse, zum Beispiel ein Bergpanorama. Die Ruhe, Weite und Tiefe der Natur erden mich immer wieder aufs Neue. Hier tanke ich Kraft und neue Energie.
Von einer kraftbringenden Auszeit erwarte ich genau das: Abstand vom Alltag, neue Eindrücke, Klarheit im Inneren und eine stärkere Verbindung zu mir selbst. Oft kommen mir in einem, wie soeben beschriebenen Umfeld, und in ruhigen Momenten während einer Wellness-Auszeit die besten Ideen, zum Beispiel beim Schwimmen im Pool. Das hat für mich etwas Meditatives. Ich schätze Hotels, die genau das ermöglichen: Raum für Entspannung und zugleich gute Möglichkeiten für Bewegung und sportliche Aktivitäten.
Was die Zukunft betrifft, sehe ich einen klaren Wandel weg von rein äußerlicher Erholung hin zu echter mentaler Regeneration. Themen wie mentale Gesundheit, Regulierung des Nervensystems, bewusste Stille, Digital Detox und achtsame Selbstführung werden stärker in den Mittelpunkt rücken, was ich für sehr sinnvoll halte. Auch Retreats mit inhaltlicher Tiefe, etwa zu Sinnfragen, Balance, Mindset oder Selbstwirksamkeit, werden zunehmen. Ein Wellnesshotel ist für mich nicht nur ein Hotel, sondern ein Ort, der genau dafür Raum schafft. Denn aus Ruhe und Erholung entsteht neue Klarheit und Kraft.
Ich glaube, dass wir als Gesellschaft lernen werden, Erholung nicht mehr als Belohnung nach erbrachter Leistung zu sehen, sondern als Voraussetzung für ein gesundes, erfülltes Leben. Genau darin liegt für mich die eigentliche Kraft einer Auszeit, und deshalb nutze ich sie für mich auch regelmäßig.
Welche Bücher haben Dich in Deinem Leben besonders beeindruckt oder nachhaltig geprägt?
Ich lese gerne und viel, überwiegend Bücher zum Thema Persönlichkeitsentwicklung. Spontan fallen mir zum Beispiel folgende Titel ein:
„5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“ von Bronnie Ware. Das Buch zeigt unter anderem, wie wichtig es ist, im Leben bewusst Entscheidungen zu treffen, für sich einzustehen, mutig zu sein, den eigenen Weg zu gehen und gesunde Beziehungen zu pflegen. Es ist eine wertvolle Erinnerung daran, Dinge umzusetzen und nicht erst zu warten, bis es zu spät ist.
„Der Alchimist“ von Paulo Coelho ist ein Klassiker, den man nicht nur einmal lesen sollte. Es ist ein sehr inspirierendes Buch über den eigenen Lebensweg, über Vertrauen und darüber, den eigenen Träumen zu folgen. Mit jeder erneuten Lektüre entdeckt man neue Gedanken und Perspektiven, die genau zur eigenen Lebenssituation passen.
Von Tony Robbins habe ich sehr viele Bücher gelesen. Sie sind ein Mix aus Mindset, Psychologie und konkreten Strategien, um vom Reagieren ins bewusste Gestalten zu kommen. Er bringt es sehr klar auf den Punkt: Wir bestimmen selbst unseren inneren Zustand, den sogenannten „State“, und sollten uns nicht vom Außen treiben lassen. Unsere inneren Überzeugungen formen unsere Realität, und alles ist Energie, wie es auch Albert Einstein beschrieben hat. „Achte auf Dich, Deine Energie und Deine Gedanken“, genau das macht den Unterschied und genau das vermittle ich auch in meiner Arbeit.
Auch Brianna Wiest hat großartige Bücher geschrieben, zum Beispiel „101 Essays, die dein Leben verändern werden“.
Wenn Du einem jungen Menschen nur eine einzige Lebenslektion mitgeben dürftest: Welche wäre das? Und was bedeutet für Dich persönlich ein glückliches und erfülltes Leben?
Wenn ich einem jungen Menschen nur eine einzige Lebenslektion mitgeben dürfte, dann diese: Übernimm die volle Verantwortung für Dein Leben, gehe mutig Deinen Weg, vertraue Dir selbst und folge Deinem Herzen. Je früher man versteht, dass man selbst Gestalter seines Lebens ist, unabhängig von äußeren Umständen, desto klarer werden die eigenen Möglichkeiten, und man beginnt, Herausforderungen als Entwicklungsschritte zu sehen.
Ein glückliches und erfülltes Leben bedeutet für mich, im Einklang mit mir selbst zu sein. Zu wissen, was mir wirklich wichtig ist und wofür ich stehe. Es ist diese Verbindung aus innerer Klarheit, Vertrauen ins Leben sowie Demut und Dankbarkeit. Erfüllung heißt für mich nicht, dass alles im Leben leicht ist, sondern dass ich mich auch in herausfordernden Momenten nicht verliere und mir selbst und meinen Werten treu bleibe und sich mein Leben dadurch auch in turbulenten Zeiten stimmig anfühlt und ich mich getragen fühle. Sie entsteht dort, wo Wachstum, Sinn und Verbindung zusammenkommen. Wenn ich mich weiterentwickle, einen Beitrag leiste, Sinn stiften kann und gleichzeitig bei mir selbst bleibe, dann ist das für mich echtes Glück. So gehe ich durch mein Leben. Mit viel Dankbarkeit, Demut und einem offenen Herzen.
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In dem neuen Format im Online Magazin von Wellness Heaven "Mindful Moments – Gespräche, die berühren“ unterhalten wir uns mit Hoteliers, Spa-Experten, Ärzten, Wellness-Consultants und anderen interessanten Persönlichkeiten, die wir während der letzten 20 Jahre auf unseren Wellness Heaven Reisen durch die Welt kennenlernen durften und die uns tief beeindruckt haben. Ihnen allen ist eines gemein: Sie sind auf der Suche nach Wohlbefinden und einem erfüllten Leben für sich und andere. Wir fragen nach Ihren Geheimnissen um Glück, Zufriedenheit und persönlichem Erfolg auf die Spur zu kommen. Außerdem stellen wir neue Trends im Wellnessbereich vor, sprechen aber auch über jahrhundertealte, bewährte Methoden für ein sinn- und freudvolles Leben. Wir diskutieren über die Gedanken großer Philosophen und fragen nach Büchern, die bewegen. Und natürlich nehmen wir Sie immer wieder mit, an ganz besondere Orte, die mit fabelhafter Natur und wachen Ideen für mehr Gesundheit und Begeisterung im Leben sorgen. Wir hoffen, dass die Begegnungen mit diesen Menschen bei Ihnen genauso nachklingen wie bei uns und Sie inspirieren, Ihre eigene Lebensreise so einmalig, selbstbestimmt und erquicklich wie möglich zu gestalten. Bon voyage!
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