Wellnesshotels

Interview: Christine Reiterer, Gastgeberin des Hotels Chalet Mirabell***** und der Bergvillen

Andrea Labonte Hoteltesterin Autor: Andrea Labonte | 11.06.26
Familie Reiterer, Gastgeber des Hotels Chalet Mirabell***** © Hotel Chalet Mirabell *****
Familie Reiterer, Gastgeber des Hotels Chalet Mirabell***** © Hotel Chalet Mirabell *****

Christine Reiterer ist  eine jener Gastgeberpersönlichkeiten, die ihr Haus über Jahrzehnte hinweg bis heute mit enormem persönlichem Einsatz prägen. Gemeinsam mit ihrem Mann erschuf sie aus der kleinen „Alpen Residence Mirabell“ mit ursprünglich 16 Zimmern Schritt für Schritt das heutige Chalet Mirabell, ein vielfach ausgezeichnetes Fünf-Sterne-Refugium mit exklusiven Bergvillen, einem über 6.000 qm großen Spa und einem der längsten Naturbadeteiche Südtirols.

Wer mit Christine Reiterer spricht, spürt sofort, dass der Umgang mit Menschen sie beseelt. Gäste willkommen zu heißen, ihnen besondere Momente zu schenken und über Jahre hinweg persönliche Beziehungen wachsen zu lassen, erfüllt sie mit Begeisterung.

Der Weg zum Erfolg war geprägt von Leidenschaft, Durchhaltevermögen und großer Disziplin. Über viele Jahre hinweg übernahm Christine Reiterer gleichzeitig unzählige Rollen: Gastgeberin, Organisatorin, kreative Gestalterin, Ansprechpartnerin in nahezu allen Bereichen des Hotels und Mutter. Zwölfstundentage gehörten lange zum Alltag. Getragen wurde diese intensive Zeit von einer klaren Vision, von Geduld und von dem Gefühl, durch die Begeisterung der Gäste bestätigt zu werden.

Für Christine Reiterer bedeutet Raum Freiheit, ein Gedanke, der das Chalet Mirabell in besonderer Weise prägt. Hoch über Hafling entstanden großzügige Rückzugsorte, lichtdurchflutete Spa-Bereiche und eine aquatische Vielfalt, die Familien, Paare und Alleinreisende gleichermaßen anspricht.

Auch die enge Verbindung zur Natur spielt für Reiterer eine zentrale Rolle. Nachhaltigkeit versteht sie als kontinuierlichen Entwicklungsprozess und als Verantwortung gegenüber der Umgebung. Die Überzeugung dahinter, ganz nach Darwin: „Alles, was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand.“

Darüber hinaus spricht Christine Reiterer über ein modernes Verständnis von Luxus, das eng mit Authentizität, Bodenständigkeit, aber auch dem Wunsch nach magischen, unvergesslichen Augenblicken verbunden ist.

Sehr Persönlich wird das Gespräch, wenn es um ihre positive Lebenseinstellung geht. Inspiriert von den Gedanken von Theodore Roosevelt und Rudolf Steiner erzählt Christine Reiterer, warum der Glaube an sich selbst oft der Anfang jeder Entwicklung ist, und weshalb sie bis heute einer klaren inneren Vorstellung davon folgt, wie sie führen und ihr Haus gestalten möchte.

Entstanden ist ein Gespräch über Gastfreundschaft, Familie, Verantwortung und die Fähigkeit, Menschen echte Geborgenheit zu schenken. Oder, wie Thomas Gottschalk Christine Reiterer einmal augenzwinkernd nannte: die „Herbergsmutter“ des Chalet Mirabell.

Frau Reiterer, Sie sind in einem Gastgeberumfeld aufgewachsen und haben gemeinsam mit Ihrem Mann aus der kleinen „Alpen Residence Mirabell“ mit ursprünglich nur 16 Zimmern innerhalb von etwas mehr als zwei Jahrzehnten ein führendes Fünf-Sterne-Hotel, samt exklusiver Bergvillen entwickelt. Wie ist es Ihnen gelungen, diese Vision Schritt für Schritt zu verwirklichen und aus ihr eine solche Erfolgsgeschichte zu machen? Welche persönlichen Eigenschaften und welche Grundhaltung zum Leben und zur Arbeit waren dabei aus Ihrer Sicht entscheidend?

© Hotel Chalet Mirabell *****
© Hotel Chalet Mirabell *****

Das Gastgebersein ist mir förmlich in die Wiege gelegt worden. Mit Gästen und Freunden täglich im Austausch zu stehen und von Menschen umgeben zu sein, erfüllt mich mit besonderer Freude und gibt mir Energie. Ich bin in einem Umfeld aufgewachsen, in dem es selbstverständlich war, Menschen willkommen zu heißen, sich um sie zu kümmern und ihnen eine gute Zeit zu bereiten. Diese Einstellung ist für mich nie Arbeit im klassischen Sinne gewesen, sondern immer auch eine Form von gelebter Beziehung.

Der Weg vom kleinen Haus mit 16 Zimmern hin zu einem Fünf-Sterne-Resort war kein einmaliger großer Schritt, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Wir haben uns über viele Jahre hinweg behutsam weiterentwickelt, investiert, hinterfragt und immer wieder neu ausgerichtet. Entscheidend war dabei, eine klare Vision zu haben und gleichzeitig die Geduld, sie Etappe für Etappe umzusetzen.

Gerade in den Anfangsjahren, also während der ersten zehn Jahre, war dieser Weg mit enormem Einsatz verbunden. Über viele Jahre hinweg habe ich zahlreiche Rollen gleichzeitig ausgefüllt: als Mutter, Gastgeberin, Organisatorin, kreative Gestalterin und oft auch als Ansprechpartnerin in allen Bereichen des Hauses. Tage mit zwölf oder mehr Arbeitsstunden waren eher die Regel als die Ausnahme. Es gab Momente der Erschöpfung, aber auch viele Augenblicke, in denen die Begeisterung der Gäste und ihre Rückkehr uns gezeigt haben, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Was uns getragen hat, war eine Mischung aus Leidenschaft, Durchhaltevermögen und der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig war es immer wichtig, authentisch zu bleiben und Entscheidungen aus einer inneren Überzeugung heraus zu treffen.

Ein Satz meines Vaters hat mich dabei über all die Jahre begleitet: „Man arbeitet dann, wenn Arbeit da ist – und wenn es ruhiger wird, schafft man sich Raum für andere Dinge.“ Diese Einstellung hat mir geholfen, die intensiven Phasen anzunehmen und gleichzeitig die Balance im Blick zu behalten.

Rückblickend ist es genau dieses Zusammenspiel aus Hingabe, Kontinuität und echter Freude am Tun, das aus einer Idee Schritt für Schritt eine gewachsene Erfolgsgeschichte gemacht hat.

Konfuzius sagte: „Wer ständig glücklich sein möchte, muss sich oft verändern.“ Frau Reiterer, Sie führen ein über Jahre gewachsenes, äußerst erfolgreiches Wellnesshotel, das sich kontinuierlich weiterentwickelt hat, ebenso wie Sie sich sicherlich selbst auch in Ihrer Rolle als Gastgeberin entwickelt haben. Welche Bedeutung hat der Gedanke von Konfuzius für Sie persönlich? Glauben Sie, dass Veränderung eine Voraussetzung für langfristiges Glück ist?

Veränderung gehört für mich ganz selbstverständlich zum Leben dazu. Sie bringt neue Perspektiven, fordert heraus und eröffnet zugleich die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln. Gerade in der Hotellerie, wo sich Ansprüche, Trends und Erwartungen stetig wandeln, ist es wichtig, offen zu bleiben und sich immer wieder neu auszurichten. Wenn ich auf die Entwicklung unseres Hauses zurückblicke, wird deutlich, wie sehr dieser Gedanke uns über die Jahre begleitet hat. Aus der kleinen „Alpen Residence Mirabell“ ist Schritt für Schritt ein gewachsenes Fünf-Sterne-Hotel entstanden, ergänzt durch exklusive Bergvillen und ein ganzheitliches Wellnesskonzept. Jede Erweiterung, jede Investition und jede Neuausrichtung war mit Entscheidungen verbunden, die Mut erfordert haben.

Veränderung allein macht meines Erachtens aber noch nicht glücklich. Doch sie schafft die Voraussetzung dafür, dass Entwicklung überhaupt möglich wird. Das Gefühl, gemeinsam etwas aufgebaut und weitergedacht zu haben, bringt eine tiefe Form von Zufriedenheit. Es ist diese Mischung aus Herausforderung, Gestaltung und dem sichtbaren Ergebnis, die am Ende Freude und Erfüllung schenkt.

In diesem Sinne hat Konfuzius recht: Wer bereit ist, sich zu bewegen, bleibt lebendig und genau darin liegt für mich ein wesentlicher Schlüssel zu langfristigem Glück.

Das Chalet Mirabell zählt zu den Wellnesshotels mit dem größten Platzangebot pro Gast im Alpenraum. Ihr Spa erstreckt sich über mehr als 6.000 qm und umfasst einen der längsten Naturbadeteiche Südtirols. Welche Bedeutung hat „Raum“ für Sie im Kontext von Luxus und Erholung? Und was macht Ihren Spa, über die Großzügigkeit hinaus, aus Ihrer Sicht im Vergleich zu anderen Wellnesshotels der Region so einzigartig?

© Bergvillen Luxus Chalets, Hotel Chalet Mirabell *****
© Bergvillen Luxus Chalets

Raum ist für mich ein zentrales Element von Luxus. Ich brauche Raum zum Atmen, genau wie Licht und Helligkeit. Es geht dabei nicht nur um Quadratmeter, sondern um ein Gefühl. Raum bedeutet Freiheit, Weite, Ruhe. Er schafft die Möglichkeit, anzukommen bei sich selbst und Abstand zu gewinnen.

In unserem Spa war es uns daher besonders wichtig, diesen weitläufigen und hellen Raum bewusst zu schaffen. Großzügige Flächen, offene Strukturen, viel Licht und klare Linien prägen das gesamte Konzept. Diese Offenheit wirkt sich unmittelbar auf das Wohlbefinden unserer Gäste aus. Man spürt sie, ohne sie bewusst zu benennen.

Ein wesentlicher Teil dieses Raumgefühls entsteht auch durch die Lage unseres Hotels. Hoch über Hafling öffnet sich der Blick weit in die umliegende Bergwelt. Diese Weite fließt in das gesamte Urlaubs-Erlebnis ein. Innen und außen gehen ineinander über, der Blick schweift über die Landschaft und schafft eine besondere Form der Ruhe.

Hinzu kommt die aquatische Vielfalt. Unterschiedliche Wasserwelten, großzügige Poollandschaften und der Naturbadeteich bieten ganz verschiedene Möglichkeiten, das Element Wasser zu erleben. Jeder Bereich hat dabei seinen eigenen Charakter und spricht unterschiedliche Bedürfnisse an.

Was unseren Spa aus meiner Sicht besonders macht, ist die Kombination aus Weite und Vielfalt. Trotz der Größe entstehen viele intime Rückzugsorte, kleine Nischen und individuelle Lieblingsplätze. Jeder Gast findet genau den Raum, der zu seiner persönlichen Form der Erholung passt. Familien mit Kindern können bei uns, genau wie Paare oder Alleinreisende, ganz entsprechend ihrer individuellen Bedürfnisse durchatmen und entspannen.

Diese Balance aus Großzügigkeit, Panorama, Vielfalt und Individualität ist für mich das, was unseren Spa wirklich einzigartig macht.

Dem Chalet Mirabell gelingt es auf bemerkenswerte Weise, Familien und Ruhesuchenden gleichermaßen gerecht zu werden, zwei Bedürfnisse, die auf den ersten Blick kaum miteinander vereinbar scheinen. Was war Ihr entscheidender Ansatz, um diese Balance herzustellen und eine harmonische Koexistenz beider Gästegruppen in Ihrem Haus zu ermöglichen?

Unsere Entwicklung hat ihren Ursprung in der Arbeit mit Familien. Familien haben den Grundstein unseres Hauses gelegt, und wir haben ihnen sehr viel zu verdanken. Über die Jahre sind daraus nicht nur treue Gästebeziehungen, sondern auch viele persönliche Verbindungen und echte Freundschaften entstanden. Familie ist bis heute für uns das wichtigste Glied und Familiensinn ein zentraler Wert.

Gleichzeitig war es uns immer ein Anliegen, auch Paaren und Alleinreisenden den passenden Rahmen für Erholung zu bieten. Die Großzügigkeit unseres Hauses schafft dafür die ideale Grundlage. Sie ermöglicht es, unterschiedliche Bedürfnisse harmonisch miteinander zu vereinen, ohne dass sich die Gästegruppen gegenseitig beeinträchtigen.

Besonders schön ist es zu sehen, dass heute bereits die Kinder unserer ersten Gäste mit ihren Freunden zu uns zurückkehren. Das erfüllt uns mit großer Freude und zeigt, wie nachhaltig diese Entwicklung gewachsen ist.

Ihr Haus verbindet Luxus mit einem klaren Bekenntnis zur Natur: von regionaler Küche bis hin zu Energieautarkie. Wie gelingt es Ihnen, Nachhaltigkeit so zu integrieren, dass sie nicht Verzicht bedeutet, sondern Mehrwert schafft? Und welchen Stellenwert nimmt die Natur in Ihrem Leben ein?

© Hotel Chalet Mirabell *****
© Hotel Chalet Mirabell *****

Die Natur ist für mich sehr wichtig. Sie gibt mir Ruhe, Erdung und neue Energie. Direkt hinter unserem Haus beginnt unser Zauberwald, ein Ort, den ich sehr schätze. Auch die umliegenden Wanderwege sind für mich Rückzugsorte, an denen man langsamer wird und die Welt um sich herum wieder ganz bewusst wahrnimmt.

Diese Nähe zur Natur prägt auch unser tägliches Handeln im Hotel. Nachhaltigkeit verstehen wir nicht als Einschränkung, sondern als selbstverständlichen Teil unserer Verantwortung. Viele Maßnahmen sind über die Jahre gewachsen: Wir nutzen Photovoltaik, heizen mit Hackschnitzeln und setzen konsequent auf energieeffiziente Lösungen im gesamten Haus. Die Fußbodenheizung arbeitet mit niedrigen Vorlauftemperaturen, und durch eine gute Dämmung können wir den Energieverbrauch gezielt reduzieren.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der bewusste Umgang mit Ressourcen. Regenwasser wird bei uns beispielsweise mehrfach genutzt: für die WC-Spülung ebenso wie für die Bewässerung der Grünanlagen, gespeist aus unserer eigenen Quelle und einem großzügigen Regenwassersystem. Gleichzeitig versuchen wir, Plastik so weit wie möglich zu vermeiden und Prozesse kontinuierlich zu verbessern. Nicht alles gelingt sofort, aber wir entwickeln uns Schritt für Schritt weiter.

Auch in der Küche spiegelt sich dieser Anspruch wider: Unser Küchenchef Terence Stillebacher legt seit vielen Jahren großen Wert auf regionale Produkte, saisonale Zutaten und eine klare, ehrliche Handschrift. Die Natur gibt hier den Takt vor, und genau das schmeckt man.

Nachhaltigkeit bedeutet für uns, im Einklang mit der Umgebung zu leben und diese Haltung auch an unsere Gäste weiterzugeben. Manchmal braucht es kleine Impulse, um das Bewusstsein für Ressourcen zu schärfen. Denn wir sind überzeugt, dass in den Worten von Charles Darwin sehr viel Wahrheit liegt: „Alles, was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand.“

Denken Sie, dass sich das Verständnis von Luxus derzeit im Wandel befindet? Wenn ja, in welche Richtung entwickelt es sich Ihrer Meinung nach? Und welche Wellness-Trends werden die Branche in den kommenden Jahren maßgeblich prägen?

© Bergvillen Luxus Chalets, Hotel Chalet Mirabell *****
© Bergvillen Luxus Chalets, Hotel Chalet Mirabell *****

Luxus in Verbindung mit Bodenständigkeit und Authentizität wird auch in Zukunft stark gefragt sein. Die Menschen suchen darüber hinaus aber auch nach dem Besonderen, nach magischen Augenblicken, die lebenslange Erinnerungen schaffen, nach nachhaltiger Entspannung und Erholung. Gerade die Natur spielt dabei eine zentrale Rolle. Die Almen und Hochplateaus rund um unser Haus, die Weite der Landschaft und auch die unmittelbare Nähe zum Skigebiet schaffen ideale Voraussetzungen für genau diese Form des Erlebens.

Dabei wird ein Fünf-Sterne-Wellnesshotel auch künftig ohne ein gewisses Maß an Luxus nicht auskommen. Gäste möchten sich verwöhnen lassen, Qualität spüren und sich bewusst etwas gönnen. Was sich verändert, ist die Dauer und Intensität der Auszeiten. Viele entscheiden sich heute für kürzere Aufenthalte, legen dabei jedoch umso mehr Wert auf ein stimmiges Gesamterlebnis.

Die Entwicklung geht aus meiner Sicht außerdem hin zu einer bewussteren Form des Reisens. Mehr Qualität, mehr Fokus auf das, was wirklich guttut. In diesem Zusammenhang gewinnen Raum, Zeit und Stille besonders an Bedeutung. Für viele Menschen sind genau sie in der heutigen, schnelllebigen Welt zum eigentlichen Luxus geworden.

Sie haben über viele Jahre hinweg ein Unternehmen aufgebaut und gleichzeitig Familie und Beruf miteinander in Einklang gebracht. Was hat Ihnen in besonders intensiven Phasen geholfen, immer wieder Ruhe zu finden und neue Kraft zu schöpfen? Und wie gestaltet sich heute die Zusammenarbeit sowie die Aufgabenverteilung zwischen Ihnen, Ihrem Mann und Ihrem Sohn?

© Bergvillen Luxus Chalets, Hotel Chalet Mirabell *****
© Bergvillen Luxus Chalets, Hotel Chalet Mirabell *****

Unsere kleine Familie meistert sehr viel zusammen. Dass sich unser Zuhause und unsere Arbeitswelt unter einem Dach befinden, hat uns dabei auch viele Vorteile gebracht. Unser Sohn ist ganz selbstverständlich in dieses Umfeld hineingewachsen. Mama und Papa waren immer präsent, vieles hat sich im Alltag ergeben und durfte sich auf natürliche Weise entwickeln.

In besonders intensiven Phasen waren es oft die einfachen Dinge, die mir Kraft gegeben haben. Die Nähe zur Natur, kurze Momente der Ruhe und auch unsere Tiere haben dabei eine große Rolle gespielt. Unser Hund Moritz und unsere Hauskatze Max zum Beispiel haben mir persönlich sehr viel gegeben. Das klingt sehr schlicht, war für mich aber ein wichtiger Ausgleich.

Auch in der Zusammenarbeit innerhalb der Familie hat sich eine klare Rollenverteilung etabliert. Mein Mann kümmert sich um die baulichen Themen und die vielen handwerklichen Aufgaben, die in einem so großen Haus ständig anfallen. Auch komplexere Bank- und Büroangelegenheiten liegen bei ihm, über diese Aufteilung bin ich sehr froh.

Ich selbst konzentriere mich auf unsere Gäste, die Mitarbeiter, die Gestaltung des Hauses sowie auf die Abläufe im täglichen Betrieb. Unser Sohn Martin bringt wiederum seine eigenen Stärken ein. Er ist sehr zahlenaffin, interessiert sich für neueste Entwicklungen im administrativen Bereich und verantwortet bei uns Marketing und Sales. Wir sind sehr stolz darauf, wie erfolgreich er diese Bereiche für unser Hotel weiterentwickelt und mit neuen Impulsen prägt.

So entsteht aus unterschiedlichen Aufgaben und Stärken ein gemeinsames Ganzes, das uns als Familie ausmacht.

Theodore Roosevelt sagte: „Glaube, du kannst, und du bist auf halbem Weg.“ Rudolf Steiner formulierte es so: „Der Mensch wird nur das, was er in sich sieht.“ Frau Reiterer, Sie tragen als Hotelière Verantwortung für mehr als 120 Mitarbeiter und müssen bei der Gestaltung Ihres Hauses ganz im Sinne einer Generalistin in vielen Bereichen interdisziplinär wirken. Inwiefern spiegeln sich die Gedanken von Roosevelt und Steiner in Ihrem persönlichen Lebensweg und in Ihrer Karriere wider?

Für mich haben beide Zitate eine große persönliche Relevanz. Ich habe früh gelernt, dass vieles erst möglich wird, wenn man selbst daran glaubt, gerade in Momenten, in denen Entscheidungen nicht eindeutig sind. Dieser innere Glaube hat mich auf meinem Weg stets getragen.

Gleichzeitig habe ich erkannt, wie stark das eigene Selbstbild die Richtung bestimmt, in die man sich entwickelt. Ich hatte immer eine klare Vorstellung davon, wie ich führen und unser Haus gestalten möchte, und daran orientiere ich mich bis heute.

Nach mehreren Jahrzehnten in der Branche: Gibt es einen Moment mit einem Gast oder ein Erlebnis, das Sie bis heute besonders berührt oder geprägt hat?

Es sind vor allem die vielen kleinen und zugleich sehr berührenden Momente, die bleiben. Wenn Gäste in hohem Alter, oft in Begleitung ihrer Betreuer, immer noch gerne zu uns kommen und sich bei uns wohlfühlen, erfüllt mich das mit großer Dankbarkeit. Ebenso berühren mich die Zeichnungen von Kindern, die ihren Urlaub bei uns festhalten, oder die stillen Augenblicke beim Abschied, wenn Gästen Tränen über die Wangen laufen, weil sie eine besondere Zeit bei uns erlebt haben.

Solche Begegnungen zeigen mir immer wieder, wie tief ein Aufenthalt wirken kann und wie wertvoll echte Gastfreundschaft ist.

Natürlich gab es über die Jahre hinweg auch herausfordernde Erlebnisse, wie etwa der Brand im Haus, der für mich persönlich schwer zu verarbeiten war. Doch im Rückblick überwiegen ganz klar die vielen positiven Erinnerungen, die unser tägliches Tun so besonders machen.

Was wünschen Sie sich für Ihre Gäste? Was sollen Gäste in Ihrem Hotel finden, was Sie anderswo auf der Welt vielleicht nicht finden?

© Hotel Chalet Mirabell *****
© Hotel Chalet Mirabell *****

Die Welt ist überall schön und gespickt mit zauberhaften Orten, wenn man nur mit offenen Augen durch’s Leben geht. Dabei ist die Auswahl an außergewöhnlichen Hotels heute größer denn je. Umso wichtiger ist es, etwas zu schaffen, das über das Sichtbare hinausgeht.

Mein Wunsch ist, dass sich unsere Besucher bei uns wirklich aufgehoben fühlen. Dass sie ankommen, loslassen und spüren, dass sie willkommen sind, genau so wie sie sind. Es geht um ein Gefühl von Vertrautheit, fast so, als würde man zu Freunden zurückkehren. Wenn Gäste unser Haus mit einer leichten Wehmut im Herzen verlassen, vielleicht mit einer Träne im Auge, dann haben wir vieles richtig gemacht. Denn genau darin liegt etwas sehr Schönes: in der Bindung die zwischen den Gästen und uns, aber auch dem Ort des Chalet Mirabells entstanden ist und der Vorfreude auf ein Wiedersehen. Ein Aufenthalt gewinnt auch durch das Abschiednehmen an Bedeutung, und die Erinnerung daran begleitet einen oft noch lange darüber hinaus.

Diese Verbindung aus Ankommen, Erleben und Wiederkommen ist es, die wir unseren Gästen schenken möchten.

Nach allem, was Sie bereits geschaffen haben: Welche Träume elektrisieren Sie heute noch? Wo sehen Sie das Chalet Mirabell in den kommenden zehn Jahren, eher als Rückzugsort, als Erlebniswelt oder als etwas völlig Neues? Und wenn Sie den Blick auf das Gesamterlebnis richten: Welche der fünf Wellness-Heaven-Kategorien „Wellness“, „Zimmer & Ausstattung“, „Kulinarik“, „Service“ oder „Lage“, hat für Sie persönlich die größte Bedeutung?

Meine Träume haben sich eigentlich alle erfüllt in Bezug auf Familie, Beruf und Freundeskreis. Dafür bin ich sehr dankbar. Mein größter Wunsch ist es heute vor allem, gesund zu bleiben und unseren Betrieb so weiter führen zu dürfen, wie er gewachsen ist, damit auch unser Sohn Freude daran hat und seinen eigenen Weg darin finden kann.

Für die Zukunft sehe ich unser Haus ganz klar als Rückzugsort in den Bergen. Eingebettet in eine intakte Natur soll das Chalet Mirabell ein Ort bleiben, an dem man zur Ruhe kommt, Kraft schöpft und mit neuer Energie in den Alltag zurückkehrt.

Wenn ich an das Gesamterlebnis denke, haben für mich alle Kategorien die gleiche Bedeutung. Wellness, Zimmer & Ausstattung, Kulinarik, Service und Lage greifen ineinander. Keine kann für sich allein stehen, erst im Zusammenspiel entsteht das, was ein Haus wirklich ausmacht.

Welches Buch oder welche Bücher haben Sie in Ihrem Leben am meisten geprägt?

Ich muss ehrlichweise sagen, dass ich keine Leseratte im klassischen Sinn bin. Wenn ich lese, dann vor allem wahre Geschichten, die berühren und ein gutes Ende haben. Auch Lebensweisheiten, die zum Nachdenken anregen und einen im Alltag begleiten, sprechen mich besonders an.

Wenn Sie einem jungen Menschen nur eine einzige Lebenslektion mitgeben dürften, welche wäre das? Und ganz persönlich: Was bedeutet für Sie ein erfülltes Leben?

© Hotel Chalet Mirabell *****
© Hotel Chalet Mirabell *****

Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft sind für mich wichtige Säulen im Leben und bedeutsame Tugenden. Wer Menschen offen, respektvoll und hilfsbereit begegnet, wird auch in schwierigen Momenten Verständnis erfahren. Ganz nach dem Credo: „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.“ Gerade im Umgang mit Gästen zeigt sich das sehr deutlich: Fehler passieren uns allen. Entscheidend ist, wie man damit umgeht und mit welcher Haltung man dem anderen begegnet.

Ebenso wichtig ist es, aus Fehlern zu lernen, nicht aufzugeben und den eigenen Weg mit Klarheit und Zielstrebigkeit weiterzugehen. Junge Menschen profitieren sehr von ehrlicher Unterstützung und einem Umfeld, das ihnen Vertrauen schenkt.

Ich sehe mich selbst oft ein wenig als „Herbergsmutter“, so hat es Thomas Gottschalk bei seinen Besuchen bei uns einmal sehr treffend formuliert. Diese Rolle bedeutet für mich, Verantwortung zu übernehmen und darauf zu achten, dass es allen gut geht: meiner Familie, unseren Mitarbeitern, unseren Gästen und auch unseren Freunden.

Ein erfülltes Leben besteht für mich genau aus diesem Zusammenspiel: füreinander da sein, mit Freude arbeiten, verbunden bleiben und dabei die kleinen wie großen Momente bewusst schätzen.

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